Konrads Einladung zum Mittagessen kam zwei Tage nach Claras brisanter Entdeckung. Mein Magen zog sich bei dem Gedanken zusammen, wieder in seiner Gegenwart zu sein. Doch ich wusste, ich musste seine Spiele mitspielen, um seine Schwachstellen zu erkennen.
Als ich in dem vornehmen Restaurant ankam, erwarteten mich Konrad und zu meiner Überraschung auch Herr Gruber, der Notar der Familie. Konrad strahlte eine falsche Herzlichkeit aus, die mich sofort misstrauisch machte.
Herr Gruber, ein korpulenter Mann mit runden Brillengläsern, erhob sich sofort und reichte mir die Hand. Sein Händedruck war feucht und kurz.
„Frau Richter, wie schön, Sie wiederzusehen“, sagte er mit einer Stimme, die etwas zu jovial klang. „Ich hoffe, Sie haben die Zeit gefunden, sich mit den Dokumenten vertraut zu machen.“
Wir nahmen Platz, und das Gespräch schwenkte schnell auf die „Erbschaftsangelegenheiten“ meines Mannes. Konrad spielte den besorgten Schwiegervater, der sich nur um die Zukunft seines Enkels kümmerte.
Dann begann Herr Gruber seine Rolle zu spielen. Er betonte immer wieder, wie „seriös“ und „routinemäßig“ die Dokumente seien, die Konrad von mir unterschrieben haben wollte.
„Diese Art von Vollmacht ist in solchen Familiensituationen absolut üblich“, sagte Herr Gruber und nickte Konrad zustimmend zu. „Es dient der Entlastung und der reibungslosen Abwicklung.“
Er sah mich direkt an, ein Lächeln auf seinen Lippen, das seine Augen nicht erreichte. „Ich kann mich persönlich für die Rechtmäßigkeit dieser Papiere verbürgen, Frau Richter.“
Ein Schauer lief mir über den Rücken. Die Art, wie er die Worte betonte, die feste Versicherung, die er abgab – es war zu viel. Es war nicht die neutrale Aussage eines Notars, sondern die eines Komplizen.
Konrad lehnte sich in seinem Stuhl zurück, ein kaum merkliches, triumphierendes Grinsen auf seinem Gesicht. Er genoss es sichtlich, wie Gruber seine Sache vertrat.
Die subtile Manipulation war offensichtlich. Herr Gruber versuchte, meine Skepsis zu zerstreuen, indem er seine professionelle Autorität als Notar in die Waagschale warf.
Es war eine Beleidigung meiner Intelligenz, mich so offen zu beeinflussen. Ich wusste jetzt, dass Gruber nicht neutral war.
„Ist das wirklich alles so üblich, Herr Gruber?“, fragte ich, meine Stimme klang ruhig, obwohl mein Inneres brodelte. „Eine Klausel, die meinem Schwiegervater die alleinige Befugnis bei medizinischen Entscheidungen von erheblicher Tragweite über das Vermögen gibt?“
Grubers Gesichtszüge erstarrten kurz. Er schien nicht erwartet zu haben, dass ich die Dokumente so genau studiert hatte.
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