Chapter 9: Unerklärliche Genesungen

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Trotz der Abmahnung und der drastischen Drohungen ließ sich Dr. Clara Nowak nicht entmutigen. Im Gegenteil, Konrads harsche Reaktion hatte ihre Entschlossenheit nur verstärkt. Sie wusste, dass sie nicht mehr direkt im Archiv suchen konnte, aber ihre Kenntnisse des Krankenhaussystems und ihr Netzwerk waren breit genug, um andere Wege zu finden.

Sie kontaktierte einen befreundeten IT-Spezialisten, der im Krankenhaus arbeitete und nicht direkt unter Konrads Fittichen stand. Unter dem Vorwand einer „historischen Studienarbeit über demografische Patientenmuster“ bat sie ihn um Hilfe beim Zugriff auf anonymisierte Daten aus einem historischen Patientenregister.

Der IT-Spezialist, nichts von Claras wahren Motiven ahnend, war bereit zu helfen. Er gewährte ihr Zugang zu einem System, das grundlegende Patientendaten wie Alter, Diagnose, Behandlungszeitraum und – am wichtigsten – Entlassungsstatus enthielt, alles ohne Namen.

Clara verbrachte die nächsten Nächte damit, diese anonymisierten Daten zu analysieren. Sie konzentrierte sich auf die Jahre, in denen Konrad Bergmann Chefarzt gewesen war, speziell auf die Zeit vor etwa 20 Jahren, in der der Fall Schneider passiert war.

Sie suchte nach Auffälligkeiten, nach Mustern, die sich von den normalen statistischen Schwankungen abhoben. Die Suche war mühsam, da sie nicht direkt nach Namen suchen konnte, sondern nur nach Diagnosen und Verläufen.

Plötzlich, inmitten der trockenen Zahlen und Statistiken, entdeckte sie ein auffälliges Muster. Es gab eine ungewöhnliche Häufung von Patienten mit großen Vermögen – was sie anhand der Wohnadressen grob filtern konnte – deren Gesundheitszustand sich „unerklärlich schnell verbesserte“ oder „unerwartet verschlechterte“.

Diese Fälle hatten oft eine Gemeinsamkeit: Sie standen im Zusammenhang mit plötzlichen Testamentsänderungen oder Vermögensübertragungen. Die Daten zeigten, dass diese Patienten entweder kurz nach einer „wundersamen Genesung“ oder kurz nach einer „unerwarteten Verschlechterung“ verstarben, immer in einem zeitlichen Zusammenhang mit der Regelung ihrer Nachlässe.

Claras Herz sank. Das waren keine Zufälle. Das waren Spuren eines Systems, das Konrad über Jahre hinweg perfektioniert hatte.

Die Muster passten perfekt zu Lenas Fall. Konrad hatte ein ähnliches Szenario mit Lenas Mann inszeniert und versuchte es jetzt mit ihr und Leo zu wiederholen.

Sie sah die Kaltblütigkeit, mit der Konrad das Leben seiner Patienten manipuliert hatte, nicht um sie zu heilen, sondern um sich an ihrem Vermögen zu bereichern. Diese systematische Ausbeutung von Vertrauen und Schwäche war eine persönliche Abscheulichkeit.

Ein Beispiel stach besonders hervor: Ein Patient, den die Daten als „Herr M.“ auswiesen, war mit einer angeblichen schweren Lungenerkrankung in die Klinik eingeliefert worden. Seine Prognose war düster, und seine Familie wurde gedrängt, schnell eine Vollmacht für medizinische Entscheidungen zu erteilen.

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