Chapter 9: Eine zufällige Begegnung in Berlin

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Die Nachricht von Julias drohendem Ruin hatte mich bis ins Mark getroffen. Ich konnte nicht zulassen, dass Claudia damit durchkam. Ich musste dringend einen Anwalt finden.

Eine Geschäftsreise nach Berlin, die ich nicht absagen konnte, bot eine unerwartete Gelegenheit. Ich saß in einem kleinen, schicken Café in Mitte, vertieft in Unterlagen, während mein Kaffee kalt wurde. Die geschäftige Atmosphäre, das Klirren der Tassen, war ein Kontrast zu der inneren Unruhe, die mich zerfraß.

Plötzlich hörte ich meinen Namen.

„Herr Koch? Heinrich Koch?“

Ich sah auf. Vor mir stand ein elegant gekleideter Mann mittleren Alters, mit graumeliertem Haar und einem freundlichen, aber scharfen Blick. Sein Gesicht kam mir bekannt vor, aber ich konnte ihn nicht sofort zuordnen.

„Ja? Entschuldigen Sie, ich…“

„Dr. Elias Hoffmann“, sagte er und reichte mir die Hand. „Wir haben uns vor einigen Jahren getroffen. Ich habe Ihre Familie in einem kleineren Immobiliendeal vertreten. Eine Angelegenheit mit einem Grundstück in Brandenburg.“

Mir dämmerte es. Ja, er war der Anwalt, den meine Eltern für einen komplizierten Kauf einer Jagdhütte engagiert hatten. Ein hoch angesehener Jurist, wie ich mich erinnerte, spezialisiert auf Wirtschaftsrecht.

„Dr. Hoffmann! Ja, natürlich“, sagte ich. „Wie schön, Sie zu sehen. Was für ein Zufall.“

Er lächelte. „In der Tat. Sind Sie geschäftlich hier in Berlin?“

„Ja“, sagte ich. „Und privat… habe ich im Moment einige… Herausforderungen.“

Er nickte. „Das höre ich. Ich erinnere mich gut an Ihre Familie. Sehr… durchsetzungsfähig.“

Sein Blick verriet, dass er mehr meinte als nur „durchsetzungsfähig“. Er schien die Dynamik in meiner Familie durchschaut zu haben.

„Ich erinnere mich an diesen Immobiliendeal“, sagte er dann beiläufig. „Es war eine recht unkomplizierte Angelegenheit, aber es gab eine Notarin, die damals für Ihre Familie tätig war… Frau Schmidt, glaube ich.“

Mein Herz machte einen Sprung. Der Name einer Notarin, die für meine Familie gearbeitet hatte. Das war genau die Art von Detail, nach der ich suchte.

„Und?“ fragte ich, versuchte, meine aufkeimende Hoffnung zu verbergen.

„Nun, mir ist damals ein obskures Detail aufgefallen“, fuhr Dr. Hoffmann fort, ohne meine Spannung zu bemerken. „Ihre Unterschrift. Sie hatte ein sehr spezifisches, ungewöhnliches Merkmal. Fast wie ein kleiner Haken, der für eine professionelle Notarin ungewöhnlich präzise war.“

Ich lauschte aufmerksam. Meine Gedanken rasten.

„Später“, fuhr Dr. Hoffmann fort, „wurde diese Notarin in einen größeren Fall von Urkundenfälschung verwickelt. Ein Skandal, der durch die Medien ging. Viele gefälschte Verträge, Unterschriften, die alle dieses eine, besondere Merkmal aufwiesen.“

Ein kalter Schauer lief mir über den Rücken. Die gefälschten Dokumente, die Claudia mir gezeigt hatte…

„Ich habe mich damals gefragt, ob das Zufall war“, sagte Dr. Hoffmann. „Es gab viele Geschädigte. Einige davon waren wohlhabende Familien, die sich betrogen fühlten. Diese Notarin hatte einen Ruf dafür, sehr… flexibel zu sein, wenn es um die Dokumente ging.“

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