Chapter 11: Schmidts Enthüllung

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Die Tage vergingen, während wir auf Theresas Entscheidung warteten, und die Anspannung blieb hoch. Dann, eines Abends, als ich gerade mein Abendessen zubereitete, klingelte es an meiner Wohnungstür. Ich zögerte. Niemand besuchte mich normalerweise unangekündigt.

Ich blickte durch den Spion. Ein Mann stand vor meiner Tür, den ich nicht kannte. Er hatte einen Aktenordner unter dem Arm und sah nervös aus.

Ich öffnete die Tür nur einen Spalt breit. „Ja, bitte?”

Der Mann flüsterte. „Sind Sie Lena Richter? Ich bin ein ehemaliger Mitarbeiter von Herrn Schmidt. Ich habe etwas für Sie.”

Mein Herz raste. Ein ehemaliger Mitarbeiter von Herrn Schmidt? Dem PR-Manager, der Evas Rufmordkampagne inszeniert hatte? Das konnte kein Zufall sein.

Er sah sich nervös um. „Ich kann hier nicht lange bleiben. Ich habe Gewissensbisse wegen dem, was mit Ihnen passiert ist. Herr Schmidt ist zu weit gegangen.”

Er schob mir den Aktenordner durch den Spalt der Tür. „Das ist der ursprüngliche Bericht, den Herr Schmidt über Sie erstellt hat. Und die ungeschnittenen Überwachungsaufnahmen.”

Ich nahm den Ordner entgegen, meine Hände zitterten leicht. Der Mann verschwand so schnell, wie er aufgetaucht war, ohne weitere Erklärung. Ich schloss die Tür und verriegelte sie.

Ich öffnete den Ordner, meine Finger waren vor Aufregung beinahe taub. Darin befanden sich mehrere Seiten fein säuberlich gedruckter Text, Berichte über meine Person, meine Gewohnheiten, mein Umfeld. Eine kalte, distanzierte Analyse meines Lebens. Es war eine schockierende und persönliche Verletzung meiner Privatsphäre.

Und dann waren da noch mehrere DVDs. Auf einer stand handschriftlich „Originalaufnahmen Lena R.”.

Ich legte eine der DVDs in meinen Laptop ein. Mein Herz hämmerte in meiner Brust. Ich sah mein eigenes Haus, meine Straße. Es war ein gewöhnlicher Tag, der gleiche, an dem Eva mich als „Stalkerin” an den Pranger gestellt hatte.

Ich sah mich selbst, wie ich meinen Müll rausbrachte. Wie ich zum Bäcker ging. Wie ich meine Blumen goss. Nichts Ungewöhnliches, nichts Verdächtiges. Es war mein normales, alltägliches Leben. Eine weitere, zutiefst persönliche Demütigung, dass mein banales Leben so minutiös überwacht worden war.

Dann sah ich die Szenen, die in den Boulevardzeitungen gezeigt worden waren. Ich sah, wie ich am Zaun zu Evas Garten stand. Die Version in den Medien zeigte mich in einer unheimlichen Großaufnahme, mein Blick schien direkt in Evas Haus zu starren.

Doch die Originalaufnahme zeigte etwas ganz anderes. Ich stand am Zaun, ja. Aber mein Blick war auf die Rosen gerichtet, die dort blühten. Ich hatte einen kurzen Moment innegehalten, um ihre Schönheit zu bewundern. Ich hatte nicht in Evas Haus gestarrt, sondern auf die Pflanzen. Und die Aufnahme war viel weiter entfernt, nicht die unheimliche Nahaufnahme.

Die nächste Szene. In den Zeitungen sah man mich, wie ich mein Fernglas in die Hand nahm. Der Bildausschnitt war so gewählt, dass es so aussah, als würde ich Eva Brandls Haus ausspähen.

Doch die Originalaufnahme zeigte, dass ich das Fernglas benutzte, um einen weit entfernten Vogel in einem Baum zu beobachten. Ich war eine begeisterte Vogelbeobachterin, ein harmloses Hobby, das nun verdreht worden war. Ich blickte nicht in Evas Richtung, sondern in den Himmel. Die Bildmanipulation war offenkundig, eine eiskalte, visuelle Lüge, die meine Integrität angriff.

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