Einige Tage nach der eisigen Konfrontation mit meinen Eltern traf ich mich mit Julia und Dr. Hoffmann in dessen Büro in Berlin. Es war ein nüchterner Raum, gefüllt mit Büchern und Akten, aber er strahlte eine professionelle Ernsthaftigkeit aus, die ich dringend brauchte.
Julia saß mir gegenüber, ihre Hände umklammerten eine kleine Handtasche. Sie war nervös, das sah ich. Es war das erste Mal, dass sie Dr. Hoffmann traf. Ich hatte ihr am Telefon von seinen Kenntnissen über die Notarin erzählt, und von der Möglichkeit, Claudias Lügen zu entlarven.
„Frau Weber“, begann Dr. Hoffmann, seine Stimme war ruhig und einnehmend. „Herr Koch hat mir die Situation grob geschildert. Aber ich brauche Ihre detaillierte Aussage. Von Anfang an. Es geht um jede Einzelheit.“
Julia nickte. Sie atmete tief ein, dann begann sie zu erzählen. Sie sprach von unserer Beziehung, von meiner plötzlichen Trennung. Dann kam sie zu dem entscheidenden Moment.
„Einige Wochen später“, sagte sie, ihre Stimme zitterte leicht, „kam Claudias Schwester in meine Galerie. Sie bot mir €75.000 an. Als ‚Abfindung‘.“
Dr. Hoffmann schrieb mit. „€75.000, sagen Sie? Unter welchen Bedingungen?“
„Ich sollte jeglichen Kontakt zu Heiner abbrechen“, fuhr Julia fort. „Und niemals etwas von einer möglichen Schwangerschaft erwähnen.“
Dr. Hoffmanns Augen verengten sich. „Gab es Drohungen?“
Julia nickte, ihre Augen füllten sich mit Tränen. „Sie sagte, sie würde meine Galerie zerstören. Ich hatte sie gerade erst eröffnet. Es war mein ganzer Traum. Meine Existenz.“
Ihre Stimme wurde leiser, ihre Hände ballten sich zu Fäusten. „Ich war verzweifelt. Ich war allein. Und ich hatte Angst um mein Kind. Ich wusste nicht, wohin ich mich wenden sollte.“
Sie sah mich an. „Ich habe mich geschämt, Heiner. Ich habe mich so hilflos gefühlt. Ich hatte keine andere Wahl.“
Ich legte meine Hand auf ihre. „Es ist in Ordnung, Julia. Du hast Lena geschützt.“
„Und dann diese Dokumente“, fuhr Julia fort. „Sie haben mir eine ‚Verzichtserklärung‘ vorgelegt. Ich habe sie unterzeichnet. Aus Angst. Ich dachte, ich hätte keine andere Möglichkeit.“
Dr. Hoffmann hörte aufmerksam zu. „Und diese ‚Verzichtserklärung‘ – können Sie sich an die Notarin erinnern, die diese beurkundet hat?“
Julia nickte. „Ja. Eine Frau Schmidt. Sie war… sehr unprofessionell. Sie hat nur gesagt, ich solle unterschreiben, wenn ich das Geld wollte.“
Ein Lächeln huschte über Dr. Hoffmanns Gesicht. „Frau Schmidt. Das ist es. Ihre Unterschrift. Das spezifische Merkmal.“
Er sah mich an. „Herr Koch, wir haben den Zusammenhang.“
Julias Augen weiteten sich. Sie hatte verstanden. Die Notarin, der Fälschungsskandal. Es war alles miteinander verbunden.
„Und der Mietvertrag für Ihre Galerie, Frau Weber?“, fragte Dr. Hoffmann. „Können Sie mir die genauen Umstände der Erhöhung schildern? Die Verbindung zu Herrn Werners Familie?“
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