Dr. Hoffmann hatte die Klage vorbereitet. Die Anspannung war greifbar. Wir wussten, dass wir uns auf einen heftigen Kampf mit meiner Familie einstellen mussten.
Eines Nachmittags erhielt ich einen Anruf von Dr. Hoffmann. Seine Stimme war ungewohnt aufgeregt.
„Herr Koch, Sie werden es nicht glauben“, sagte er. „Ich habe gerade einen Anruf erhalten. Von einem Klaus Richter.“
Mein Herz machte einen Sprung. Klaus Richter. Der ehemalige Familienfahrer. Ein Mann, der jahrzehntelang für meine Eltern gearbeitet hatte, bis zu seiner Pensionierung vor zwei Jahren. Ich hatte ihn seit Jahren nicht mehr gesehen.
„Klaus Richter? Was will er?“, fragte ich.
„Er hat von dem Prozess erfahren“, erklärte Dr. Hoffmann. „Er hat unsere Anwaltskanzlei kontaktiert und bittet um ein vertrauliches Treffen. Er sagt, er hat wichtige Informationen.“
Ich spürte, wie eine Welle der Hoffnung durch mich strömte. Klaus. Er war immer ein ruhiger, loyaler Mann gewesen. Wenn er etwas wusste, dann war es die Wahrheit.
„Sofort“, sagte ich. „Vereinbaren Sie ein Treffen. Ich komme sofort nach Berlin.“
Am nächsten Tag saßen Dr. Hoffmann und ich in einem kleinen Besprechungsraum in seiner Kanzlei. Die Tür öffnete sich, und Klaus Richter trat ein. Er war gealtert, sein Haar war dünner und grauer geworden, aber seine Augen hatten immer noch diesen freundlichen, ehrlichen Ausdruck.
„Herr Heiner“, sagte er, seine Stimme war leise. „Es tut mir leid, dass ich Sie in diese Angelegenheit hineinziehen muss.“
„Nein, Klaus“, sagte ich. „Ich bin froh, dass Sie hier sind. Was wissen Sie?“
Klaus setzte sich, seine Hände zitterten leicht. Er sah Dr. Hoffmann an, dann mich. Seine Augen waren voller Sorge.
„Ich habe mich lange geschämt“, begann er. „Ich habe damals für Ihre Familie gearbeitet, Herr Heiner. Und ich habe viel gesehen.“
Er atmete tief ein. „Ich habe damals, kurz nach Ihrer Trennung von Frau Weber, etwas gehört. Ein Gespräch. Zwischen Ihrer Schwester Claudia und Ihren Eltern. Johann und Helga Koch.“
Mein Herz klopfte wie wild. Das war es. Der direkte Beweis der Komplizenschaft.
„Ich war damals im Nebenraum“, fuhr Klaus fort. „Ich sollte das Auto für Herrn Johann vorbereiten. Aber ich habe gehört, wie sie gesprochen haben. Über Frau Weber. Über Ihre Schwangerschaft.“
Ein Schock durchfuhr mich. Meine Schwangerschaft. Julia hatte es mir nie erzählt, aber meine Eltern und Claudia hatten es gewusst. Und sie hatten es vertuscht.
„Sie haben die ganze Intrige geplant“, sagte Klaus, seine Stimme wurde fester. „Die erzwungene Trennung. Wie sie Frau Weber dazu bringen würden, zu schweigen. Claudia hat gesagt, sie würde sie ‚kaltstellen‘, wenn sie nicht mitspielen würde.“
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