Theresas Aussage hatte den Gerichtssaal in einen Tumult versetzt. Eva Brandl saß wie gelähmt da, ihre Hände zitterten unkontrolliert. Dr. Kohl, immer noch aggressiv, versuchte, Theresa im Kreuzverhör zu brechen, ihre Glaubwürdigkeit als Lügnerin und Vertragsbrecherin zu zerstören.
„Frau Schulz”, donnerte Dr. Kohl. „Sie haben einen Vertrag unterschrieben, der Sie zur Verschwiegenheit verpflichtet! Wollen Sie uns hier weismachen, dass Sie diese hohe Geldstrafe riskieren, nur um Frau Richter zu helfen? Ist das nicht vielmehr eine Racheaktion einer ehemaligen Angestellten, die entlassen wurde?”
Theresa blickte ihn direkt an. „Ich wurde nicht entlassen. Ich habe gekündigt, weil ich Evas Verhalten nicht mehr ertragen konnte. Und ich riskiere diese Strafe, weil es um die Wahrheit geht. Und um die Kinder.”
In diesem Moment stand Frau Becker auf. „Euer Ehren, die Verteidigung hat weitere Beweismittel, die Theresas Aussage untermauern und die Verleumdungskampagne von Dr. Brandl endgültig beweisen.”
Ein Raunen ging durch den Saal. Dr. Kohl protestierte energisch, doch der Richter, der offensichtlich genug von seinen Manövern hatte, erlaubte Frau Becker, fortzufahren.
„Die Verteidigung möchte nun Audioaufnahmen präsentieren”, sagte Frau Becker. „Aufnahmen, die von Herrn Jens Müller über Jahre hinweg gesammelt wurden und die die verbalen Ausbrüche von Dr. Brandl und ihre manipulativen Anweisungen an ihre Kinder dokumentieren.”
Die Gerichtsdienerin bereitete die Lautsprecher vor. Dann erklang Eva Brandls Stimme im Gerichtssaal. Es war die gleiche zornige, schneidende Stimme, die Jens beschrieben hatte. Sie schrie ihre Kinder an, beschimpfte sie als „nutzlos” und „dumm”, weil sie nicht das sagten, was sie hören wollte. Die Aufnahmen waren unbestreitbar, die Grausamkeit ihrer Worte war schockierend.
„Denk daran, Mia!”, ertönte Evas Stimme aus den Lautsprechern. „Mama ist immer die Beste! Und du liebst Gemüsesticks! Nicht Pizza! Verstanden?”
Die Aufnahmen dokumentierten nicht nur Evas Wutausbrüche, sondern auch ihre spezifischen Anweisungen an die Kinder, was sie in der Öffentlichkeit sagen sollten, wie sie sich verhalten sollten, um Evas Image zu wahren. Es war ein direkter Einblick in die brutale Manipulation. Die persönlichen Kränkungen durch ihre eigene Mutter wurden in diesem Moment für die ganze Welt hörbar.
Eva Brandls Gesicht war nun völlig entstellt. Ihre Augen waren weit aufgerissen, ihre Lippen zitterten. Sie starrte auf die Lautsprecher, als ob sie nicht glauben konnte, dass ihre dunkelsten Geheimnisse nun für die ganze Welt hörbar waren. Die Kameras klickten wie wild, die Reporter tippten fieberhaft.
„Gleichzeitig”, fuhr Frau Becker fort, während Evas Stimme noch im Hintergrund zu hören war, „möchte die Verteidigung nun die vollständigen, ungeschnittenen Überwachungsaufnahmen von Frau Richters Haus präsentieren, die beweisen, dass die von Dr. Brandl der Presse zugespielten Bilder manipuliert waren.”
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