Der Gerichtssaal war nach Evas Zusammenbruch in eine gespenstische Stille gefallen. Eva Brandl wurde von Dr. Kohl und einer Gerichtsdienerin aus dem Saal geführt, ihr Gesicht war noch immer in den Händen vergraben. Der Schock über die Enthüllungen saß tief. Jens Müller hatte seine erneute Aussage mit ruhiger Fassung gemacht und die vorigen Beweise weiter untermauert, ohne sich von Evas Verzweiflung beeinflussen zu lassen.
Nach einer kurzen Pause, in der sich der Saal nur langsam wieder mit einem leisen Murmeln füllte, betrat der Richter den Raum erneut. Er sah strenger aus als je zuvor, seine Miene war unbewegt.
„Alle erheben sich!”, rief der Gerichtsdiener.
Der Richter nahm seinen Platz ein. Seine Augen huschten über die verbliebenen Anwesenden, dann blickte er mich direkt an. Mein Herz klopfte bis zum Hals. Dies war der Moment der Wahrheit.
„In der Sache Brandl gegen Richter und Richter gegen Brandl”, begann der Richter, seine Stimme war klar und unmissverständlich. „Nach sorgfältiger Prüfung aller vorgelegten Beweismittel und Zeugenaussagen, darunter die Audioaufnahmen, die manipulierten und ungeschnittenen Videoaufnahmen sowie die Verträge und schriftlichen Berichte, kommt das Gericht zu folgendem Urteil.”
Eine kurze, qualvolle Pause. Ich hielt den Atem an, meine Hände waren feucht. Frau Becker saß aufrecht neben mir, ihre Augen auf den Richter fixiert.
„Die Verleumdungsklage von Dr. Eva Brandl gegen Frau Lena Richter wird vollumfänglich abgewiesen.”
Ein tiefes Ausatmen entwich mir. Ein Gefühl der Erleichterung durchströmte mich, das so intensiv war, dass mir beinahe schwindelig wurde. Ich hatte gewonnen. Alle Vorwürfe gegen mich waren hinfällig.
„Frau Lena Richter wird von allen Vorwürfen der Verleumdung und Belästigung freigesprochen.”
Ein kleiner, unwillkürlicher Seufzer der Erleichterung war im Saal zu hören. Ich spürte, wie sich die Anspannung der letzten Wochen, der letzten Monate, langsam von meinen Schultern löste. Es war ein Gefühl der Befreiung. Eva Brandls persönlicher Angriff auf meine Existenz war gescheitert.
Der Richter fuhr fort. „Hinsichtlich der Klage von Frau Lena Richter wegen Verleumdung gegen Dr. Eva Brandl wird diese stattgegeben.”
Mein Blick traf den von Frau Becker, und sie nickte mir ermutigend zu. Dies war mehr als nur eine Abweisung von Evas Klage, es war eine Bestätigung meiner eigenen Wahrheit. Eva wurde verurteilt, nicht ich.
„Dr. Eva Brandl wird verurteilt, die entstandenen Anwaltskosten von Frau Lena Richter in Höhe von achtunddreißigtausend Euro zu tragen.”
Achtunddreißigtausend Euro. Das war die Summe, die wir Frau Becker schuldete, ein beträchtlicher Betrag, der meine Ersparnisse schwer belastet hätte. Die Tatsache, dass Eva ihn nun zahlen musste, war nicht nur eine finanzielle Erleichterung, sondern auch eine symbolische Gerechtigkeit. Es war eine konkrete, finanzielle Konsequenz für ihre Handlungen.
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