Der Mann, der seine Ex-Frau verspottete, entdeckte, dass sie eine gemeinsame Tochter hatten – und ein dunkles Geheimnis
Der Gestank von altem Bier und Zigaretten hing noch in der Luft, als ich die Tür zu Der Schattens Büro aufstieß. Es war kein Büro im eigentlichen Sinne, eher ein versteckter Raum über einer Shisha-Bar in einem Hinterhof in Kreuzberg, wo die Regeln der offiziellen Welt kaum Gültigkeit hatten. Ich hatte diese Orte hinter mir gelassen, aber jetzt zog die Notwendigkeit mich zurück.
„Elias. Ich dachte, diese Nummer sei Geschichte für dich“, sagte eine tiefe, raue Stimme aus dem Halbdunkel.
Ich sah Der Schatten. Er saß an einem Schreibtisch, dessen Oberfläche unter Akten und einem alten Laptop kaum zu erkennen war. Sein Gesicht war immer noch so undurchdringlich wie damals.
„Manchmal holen einen die alten Geschichten ein“, erwiderte ich.
Ich schob ihm einen Umschlag über den Tisch.
„Ich brauche alles, was du über Helga Weber finden kannst. Jedes Detail über ihre Finanzen, jede Transaktion, jede Schwachstelle.“
Der Schatten hob eine Augenbraue.
„Helga Weber? Die alte Dame vom Kudamm? Was hat die mit dir zu tun?“
Ich zögerte. Der Schatten war diskret, aber mein Privatleben war nicht seine Baustelle gewesen.
„Es geht um meine Tochter. Und um 420.000 Euro, die sie Lena gestohlen hat.“
Ein kurzes, anerkennendes Nicken war seine einzige Reaktion.
„420.000. Das ist eine Menge Holz. Die alte Weber sitzt doch im Geld, oder nicht?“
„Das dachte ich auch. Aber Lena sagt, Helga hätte das Geld von unserem gemeinsamen Konto abgezweigt, um sie des Diebstahls zu bezichtigen. Ich brauche Beweise.“
Der Schatten nahm den Umschlag entgegen, ohne ihn zu öffnen. Er wusste, dass das Geld darin war, das seine Arbeit wert war.
„Gib mir ein paar Tage. Ich grab mich durch den Dreck.“
Zwei Tage später, viel früher als erwartet, klingelte mein altes, separates Handy – die Nummer, die nur Der Schatten kannte.
„Deine alte Schwiegermutter, Elias, die ist nicht das, was sie vorgibt zu sein“, sagte er, ohne Gruß.
Ich saß auf einem umgedrehten Eimer in meiner Küche, die nach den Vorbereitungen für die Suppenküche noch nach Zwiebeln und Gemüse roch.
„Was meinst du?“ fragte ich.
„Ihr öffentliches Image ist eine Fassade“, fuhr Der Schatten fort. „Wir sind tief in ihre Konten eingetaucht. Die Weber-Immobilien. Ein Imperium auf wackligen Beinen.“
Ich runzelte die Stirn.
„Wacklige Beine? Sie lebt doch in einer Villa.“
„Die Villa gehört einem Familientrust. Und der Trust ist der einzige Grund, warum sie noch so tut, als wäre sie solvent. Sie hat die letzten Jahre massiv in spekulative Immobilienprojekte in Osteuropa investiert. Alles über Scheinfirmen und undurchsichtige Gesellschaften.“
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