Der Mann, der seine Ex-Frau verspottete, entdeckte, dass sie eine gemeinsame Tochter hatten – und ein dunkles Geheimnis
Ich saß im Büro meiner Suppenküche, versuchte, die Bücher zu ordnen, aber meine Gedanken kreisten unaufhörlich um Helgas Verbrechen. Das Bild von Herrn Schmidt, dem naiven Notar, ließ mich nicht los. Wie viele andere hatte Helga wohl noch so benutzt?
Da klingelte mein altes Handy erneut. Es war eine unbekannte Nummer, die aber über den sicheren Kanal von Der Schatten geleitet wurde. Ich hob ab.
„Ist das Elias Richter?“
Die Stimme war männlich, etwas zögernd, aber mit einer unterdrückten Dringlichkeit.
„Ja, wer ist da?“
„Mein Name ist Rolf Becker. Wir… wir kennen uns nicht persönlich. Aber ich habe gehört, dass du Fragen zu Helga Weber hast.“
Mein Herz machte einen Sprung. Rolf Becker. Helgas ehemaliger Geschäftspartner und Liebhaber. Der Schatten hatte ihn als mögliche Quelle identifiziert, aber ich hatte nicht erwartet, dass er sich melden würde.
„Was wissen Sie über Helga Weber?“, fragte ich, meine Stimme ruhig, aber wachsam.
„Eine Menge“, sagte Rolf. Ein leises Seufzen folgte. „Mehr, als mir lieb ist, offen gesagt. Ich… ich habe Helga lange gekannt. Wir waren Geschäftspartner, dann eine Weile… mehr als das.“
Er stockte, schien seine Worte zu wählen.
„Helga ist keine einfache Frau. Sie hat eine Art, Leute in ihre Geschäfte zu ziehen. Und wenn es schiefgeht, sind immer die anderen schuld.“
„Wissen Sie etwas über die 420.000 Euro, die sie Lena gestohlen hat?“, fragte ich direkt.
Rolf zögerte.
„Indirekt. Ich weiß, dass sie in großen finanziellen Schwierigkeiten steckt. Immer steckte. Ihre Immobilienwetten waren ein Desaster. Sie hat immer versucht, das zu vertuschen. Und sie war immer auf der Suche nach ‚frischem Geld‘.“
„Hat sie schon früher so gehandelt? Andere Leute betrogen, meine ich?“
Ein langes Schweigen, dann ein tiefer Atemzug.
„Ihre eigenen Geschwister“, sagte Rolf leise. „Vor Jahren. Als das Erbe ihres Vaters aufgeteilt wurde. Helga hat es so gedreht, dass sie den größten Teil des liquiden Vermögens bekommen hat. Sie hat die anderen mit undurchsichtigen Immobilienbeteiligungen abgespeist, die später viel weniger wert waren, als sie ihnen versprochen hatte.“
Meine Augen weiteten sich. Das war ein Muster. Ein tief verwurzeltes.
„Haben Sie Beweise dafür?“, fragte ich.
Rolf lachte bitter.
„Beweise? Nein. Helga ist viel zu clever. Alles, was ich weiß, sind alte Gespräche, Beobachtungen. Sie hat die Unterlagen von einem Anwalt aufsetzen lassen, der nicht sehr genau hinsah. Oder nicht hinsehen wollte.“
„Warum erzählen Sie mir das jetzt, Rolf?“, fragte ich.
„Ich habe gehört, dass du dran bist, ihr auf die Finger zu schauen. Und ich… ich habe ein schlechtes Gewissen. Ich habe zu lange geschwiegen. Ich habe gesehen, wie sie Leute manipuliert hat, wie sie Lügen verbreitet hat. Und ich wollte meine Ruhe haben.“
„Aber jetzt nicht mehr?“, hakte ich nach.
„Jetzt macht sie wieder Geschäfte, bei denen ich das Gefühl habe, dass sie kurz vor dem Kollaps stehen. Und wenn die Sache auffliegt, will ich nicht mit hineingezogen werden. Ich will einen klaren Tisch machen. Für mich. Und für die Opfer.“
Rolfs Stimme klang aufrichtig, aber auch ängstlich. Die Angst vor Helga war tief in ihm verwurzelt.
+ There are no comments
Add yours