Chapter 2: Die entschlüsselte Hydra

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Ich saß allein in meinem provisorischen Labor, das ich im Gästezimmer eingerichtet hatte. Vor mir auf dem Tisch lag der kleine, unscheinbare Datenträger, der aus Elenas Körper entfernt worden war. Er war kalt und metallisch, ein stummes Zeugnis einer unsichtbaren Tragödie.

Das Klingeln der Tür riss mich aus meiner Starre.

Es war Kommissarin Klein, ihr Gesicht war ernst.

„Dr. Hartmann“, sagte sie und nickte kurz.

Sie trat in den kleinen Raum, ihre Augen musterten die aufgeräumten, aber zweckmäßigen Geräte.

„Wir haben die Ergebnisse der Autopsie“, fuhr sie fort, ohne Umschweife.

Mein Atem stockte in meiner Brust.

„Es gab keine äußeren Verletzungen, keine Anzeichen von Gewalt“, erklärte sie mit einer Stimme, die Sachlichkeit und eine leichte Resignation verriet.

„Die offizielle Todesursache bleibt vorerst ‚unklar‘, ohne eindeutige Erklärung.“

Das war ein Schock, aber irgendwie hatte ich es geahnt.

Ich sah sie fragend an.

„Und der Datenträger?“, fragte ich schließlich.

Kommissarin Klein seufzte leise.

„Unsere Technikspezialisten tun sich schwer“, erwiderte sie.

„Es ist eine professionelle Verschlüsselung, sehr komplex. Sie sprechen von Wochen, vielleicht Monaten.“

Ich spürte, wie sich ein alter Reflex in mir regte, ein Kribbeln in den Fingerspitzen.

„Ich könnte helfen“, sagte ich, meine Stimme war leiser, als ich es beabsichtigt hatte.

Sie hob eine Augenbraue.

„Ich habe früher in digitaler Forensik gearbeitet, bevor ich mich auf Finanzanalyse spezialisiert habe“, erklärte ich.

„Solche Systeme sind meine Spezialität.“

Klein musterte mich lange, ihr Blick war prüfend.

„Ich weiß, dass Sie in tiefer Trauer sind, Dr. Hartmann“, sagte sie, ihre Stimme war sanft, aber fest.

„Und ich verstehe Ihren Wunsch, involviert zu sein.“

„Aber als Witwer sind Sie emotional zu nah dran, das könnte die Objektivität der Ermittlung gefährden.“

Diese Worte trafen mich wie ein Schlag, es war eine Art persönliche Grausamkeit, mein Schmerz wurde gegen mich gewendet.

Ich spürte eine Welle der Empörung.

„Ich bin nicht irgendein trauernder Witwer, Kommissarin“, sagte ich, meine Stimme wurde fester.

„Ich bin ein Experte. Ich will nur die Wahrheit für meine Frau.“

Sie sah mich an, ihre Augen verengten sich minimal.

„Ich schätze Ihr Angebot“, sagte Klein schließlich.

„Aber ich kann Ihnen das offizielle Beweisstück nicht einfach aushändigen.“

„Was ist mit einer Kopie?“, schlug ich vor, meine Gedanken rasten bereits.

Sie zögerte.

„Unter strengster Geheimhaltung“, sagte sie dann.

„Und nur für analytische Zwecke, nichts darf verändert oder weitergegeben werden.“

Sie legte eine kleine, versiegelte Tüte auf den Tisch.

Darin war ein exakter Klon des Datenträgers.

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