Chapter 2: Die verschlossenen Türen

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Die Flure des Klinikums Großhadern hatten sich für mich verändert. Plötzlich waren sie lang und voller Blicke, die an mir vorbeiglitten. Niemand sprach ein Wort, nicht einmal die Pfleger, mit denen ich jahrelang Schulter an Schulter gearbeitet hatte.

Meine Kollegin, Schwester Monika, bog scharf in eine Nische ab, als ich auf sie zukam. Ihr Blick zuckte kurz, dann war sie verschwunden.

Ich ging weiter, das Gefühl einer unsichtbaren Mauer vor mir.

Es war, als hätte jemand ein unsichtbares Virus ausgestreut, das nur mich betraf.

Gerhard Richter hatte seinen Plan in die Tat umgesetzt. Es war nicht nur die Kündigung oder die Beschwerde. Er hatte etwas viel Perfideres getan.

Im Wohnkomplex, der direkt an das Klinikum angrenzte und in dem die Dienstwohnungen lagen, hingen sie. Din-A4-Blätter, fein säuberlich an die Pinnwände getackert.

“Mietunregelmäßigkeiten im Block B?” stand auf dem obersten Zettel.

“Fragen Sie sich auch, warum manche Mieter privilegiert sind?”

Darunter Fotos meiner Wohnungstür. Mein Name war nicht explizit genannt, aber jeder wusste, um wen es ging.

Diese Zettel waren das Werk von Thomas Kroll, dem Immobiliengutachter. Er hatte meine Miete als “verdächtig niedrig” ausgewiesen, als Beweis für meine angeblichen Vorteile.

Aber Kroll hatte noch mehr gemacht, etwas viel Schlimmeres.

Einige Nachbarn fingen mich ab, ihre Gesichter hart und abweisend. Frau Meindl, die ich seit zehn Jahren kannte, weigerte sich, mir in die Augen zu sehen.

“Ich habe gehört, Sie bekommen Mietnachlässe im Tausch gegen OP-Termine”, sagte Herr Schneider, ein pensionierter Verwaltungsbeamter, mit leiser, aber schneidender Stimme.

Seine Frau nickte.

Ich starrte ihn an, unfähig zu sprechen.

“Krolls Mails sind da ganz eindeutig”, fügte Frau Schneider hinzu und zog ihren Mann am Arm weg.

Falsche E-Mails. Kroll hatte gefälschte Nachrichten über angebliche Mietnachlässe im Tausch gegen OP-Plätze gestreut. Das war der wahre Grund für die soziale Ächtung.

Jonas kam an diesem Abend mit roten Ohren von der Schule nach Hause. Er war sonst so lebhaft, doch heute trug er eine Last.

“Mama”, sagte er und vermied meinen Blick. “Die haben mich gefragt, ob wir wegen dir keine Miete zahlen.”

Sein Rucksack fiel klirrend zu Boden.

“Ein Mitschüler hat einen Zettel aus unserem Haus mitgebracht”, fuhr er fort, seine Stimme brach. “Da stand, du würdest unsere Wohnung geschenkt bekommen.”

Ich kniete mich hin, um sein Gesicht zu sehen. Seine Augen waren voller Scham und Fragen, die ich nicht beantworten konnte, ohne zu lügen.

“Das ist alles nicht wahr, Jonas”, sagte ich, meine eigene Stimme klang dünn. “Alles Lügen.”

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