Investor Lukas Herzog wird auf Vaters Geburtstag öffentlich gedemütigt und entzieht der Familie die gesamte finanzielle Unterstützung
Die E-Mail blinkte auf meinem Display, ein anonymer Absender, die Betreffzeile kurz und unprätentiös: “Wegen Konrad Klein”.
Ich zögerte. Meine Finger schwebten über der Löschtaste.
Wahrscheinlich nur ein verärgerter Geschäftspartner oder jemand, der sich rächen wollte.
Seit meiner Entscheidung auf Vaters Geburtstag lag ein unsichtbarer Schleier über mir, eine bleierne Schwere der Wahrheit, die ich aufzudecken begann.
Meine ersten Nachforschungen zu “AlsterConnect” hatten bereits genug beunruhigende Details zutage gefördert, die kaum zu Konrads glänzender Fassade passten.
Doch etwas an der Kürze und der fehlenden Polemik dieser E-Mail hielt mich ab. Keine Drohungen, keine Anschuldigungen. Nur der Name.
Ich klickte sie an.
Der Inhalt war noch knapper: “Lukas Herzog. Ich weiß, was Konrad vorhat. Er hat es schon einmal versucht. Trinken wir einen Kaffee?” Darunter eine Handynummer und der Name Lena Bergmann.
Ich erinnerte mich dunkel an diesen Namen. Eine ehemalige Freundin Konrads, glaube ich. Vor Sofia.
Ein seltsames Gefühl durchfuhr mich. Eine Mischung aus Misstrauen und einer dringenden Neugierde.
Was, wenn sie wirklich etwas wusste?
Was, wenn sie ein weiteres Puzzleteil liefern konnte, das mir helfen würde, das Chaos zu verstehen, das Konrad in unserer Familie angerichtet hatte?
Ich schrieb ihr eine kurze, sachliche Antwort und schlug ein Café in der Nähe meines Büros vor, abseits der üblichen Herzog-Treffpunkte. Diskretion war jetzt entscheidend.
Zwei Tage später saß ich Lena Bergmann gegenüber, in einer belebten, aber ruhigen Ecke des Cafés “Die Kaffeerösterei”. Sie war größer, als ich sie mir vorgestellt hatte, mit wachen, klugen Augen, die eine gewisse Müdigkeit verrieten. Ihr Blick war direkt.
Sie trank ihren Espresso fast unberührt.
“Ich weiß nicht, ob ich das Richtige tue”, begann sie leise, ihre Stimme klang rau.
“Konrad kann sehr nachtragend sein.”
Ich nickte. “Ich kann mir vorstellen, dass das kein leichter Schritt für Sie war.”
Ich wartete. Sie legte ihre Hände auf den Tisch, spielte mit einem unsichtbaren Faden.
“Ich habe gehört, was auf dem Geburtstag Ihres Vaters passiert ist”, fuhr sie fort. “Und ich weiß, dass Sie sich jetzt ‘AlsterConnect’ ansehen.”
Sie sah mich an, ihre Augen suchten meine. “Bitte, Lukas. Hören Sie mir genau zu.”
“Konrad hat versucht, meine Familie in ein ähnliches Schema zu ziehen.”
Meine Miene verfinsterte sich, doch ich sagte nichts. Ich wollte, dass sie alles erzählte.
“Es war vor einigen Jahren”, erklärte sie. “Kurz nachdem wir zusammengekommen waren. Er war charmant, ehrgeizig. Mein Vater, ein erfahrener Geschäftsmann, war beeindruckt. Konrad präsentierte eine ‘revolutionäre’ Technologie, die angeblich den Markt auf den Kopf stellen würde.”
Sie nahm einen Schluck Wasser. “Es klang alles zu gut, um wahr zu sein. Und das war es auch.”
“Mein Vater wollte investieren, viel Geld. Aber ich hatte ein ungutes Gefühl. Konrads Zahlen waren immer ein wenig zu glänzend, seine Erklärungen ein wenig zu vage, wenn es ins Detail ging.”
“Ich habe nachgehakt”, sagte sie, ihre Stimme fester werdend. “Ich habe Leute befragt, die angeblich mit ihm gearbeitet hatten. Ich habe Experten konsultiert.”
“Und?” fragte ich, meine Geduld am Zerreißen.
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