Chapter 4: Julias Widerstand

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Ich stand vor Julias kleiner Galerie in der Innenstadt von Hamburg. Die Sonne schien, aber ich fröstelte. Ich hatte die Nachricht von der Kontosperrung verarbeitet, Anja hatte ihre anfängliche Enttäuschung in ruhige Skepsis verwandelt. Jetzt musste ich Julia ins Boot holen.

Das Schaufenster war mit farbenfrohen, abstrakten Gemälden geschmückt, die eine Welt voller Emotionen und Freiheit verhießen. Es war ein starker Kontrast zu der kalten Realität, mit der ich hier aufschlug.

Ich öffnete die Tür, ein kleines Glöckchen klang. Julia stand hinter einem Tresen, Lena saß auf dem Boden und stapelte bunte Bauklötze. Ihre roten Haare leuchteten im Licht, ihre Augen huschten zu mir. Sie hatte genau meine Augenfarbe.

Julia sah auf, ihr Lächeln erstarb, als sie mich sah. Sie schien immer noch nervös zu sein, wenn ich auftauchte. Verständlich.

„Heiner“, sagte sie, ihre Stimme war vorsichtig. „Ich hatte nicht mit dir gerechnet.“

„Ich… ich muss mit dir reden, Julia“, sagte ich, meine Stimme war leise. „Es ist wichtig.“

Sie nickte langsam, ihre Augen wanderten zu Lena. „Kann es warten, bis…“

„Nein“, unterbrach ich sie. „Es ist dringend. Es betrifft uns alle.“

Lena hob den Kopf, ihre blauen Augen fixierten mich. Sie hatte das ernste Gemurmel gehört. Ich fühlte einen Stich in der Brust. Meine Gegenwart sollte keine Angst verursachen.

Julia seufzte. „In Ordnung. Lena, spielst du bitte hier bei Mama? Onkel Heiner und ich müssen kurz sprechen.“

Sie setzte Lena an einen kleinen Tisch mit Malsachen. Lena schien abgelenkt, begann zu malen.

Julia trat hinter dem Tresen hervor und führte mich in einen kleinen Büroraum im hinteren Teil der Galerie. Der Raum war eng, gefüllt mit Kunstbedarf und Aktenordnern.

„Was ist so dringend?“ fragte sie, als sie die Tür schloss.

Ich atmete tief ein. „Claudia hat zugeschlagen. Wie erwartet.“

Julias Augen weiteten sich. Ihre Hände ballten sich zu Fäusten. „Was hat sie getan?“

„Sie hat unser gemeinsames Flitterwochen-Konto gesperrt“, erklärte ich. „€42.000 sind eingefroren. Mit der Begründung ‚Unregelmäßigkeiten bei der Kontoführung‘. Das ist ihre Art, mich und Anja unter Druck zu setzen.“

Julias Gesicht verfinsterte sich. „Ich wusste es. Ich wusste, dass sie nicht aufhören würde.“

Ihre Stimme war voller Bitterkeit. Der alte Schmerz, die alten Ängste, schienen wieder hochzukommen.

„Julia“, sagte ich, trat einen Schritt näher. „Ich möchte mich entschuldigen. Zuerst für alles, was damals passiert ist. Ich hätte dich nie allein lassen dürfen. Ich hätte mich meinen Eltern widersetzen müssen.“

Sie wich meinem Blick aus, sah auf den Boden. „Das ist lange her, Heiner.“

„Aber die Konsequenzen sind noch da“, erwiderte ich. „Lena ist da. Und Claudias Taten belasten uns immer noch. Ich weiß, dass meine Passivität damals dazu beigetragen hat.“

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