Chapter 3: Das Flüstern an den Wänden

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Ich hatte gerade die Tür zu meinem Apartment aufgeschlossen, als ich sie hörte. Helgas Stimme, schrill und verzweifelt, schnitt durch die Stille des Flurs.

„Lena! Bleib stehen!“

Ich drehte mich um und sah meine Mutter und Jens, die am Ende des Flurs auf mich zueilten. Ihre Gesichter waren blass und zerknittert, ihre Kleidung wirkte, als hätten sie die letzten Tage im Schlaf verbracht.

Helga war aufgebracht, ihre Augen waren rot unterlaufen. Sie stürmte direkt auf mich zu, ihre Handtasche baumelte wild an ihrem Arm.

„Was ist nur los mit dir?“, keuchte sie, als sie vor mir stehen blieb. „Die Geister rächen sich! Sie rächen unsere Sünden, weil du uns im Stich lässt!“

Ihre Worte waren wie ein Schlag. Sie hatte keine Ahnung, wie nah sie der Wahrheit mit ihrer überzogenen Anschuldigung war, auch wenn sie die Zusammenhänge nicht verstand. Sie glaubte immer noch an einen persönlichen Racheakt der Geister, nicht an einen uralten Pakt.

Jens trat von einem Fuß auf den anderen, seine Hände waren in den Hosentaschen vergraben. Er sah mich mit einem verzweifelten Blick an.

„Lena, Mama hat wirklich Angst“, sagte er leise. „Es… es ist nicht mehr normal im Haus. Gegenstände bewegen sich, wir hören Dinge. Bitte, können wir nicht reden?“

Helgas Blick fixierte mich mit einer solchen Intensität, dass ich spürte, wie sich mein Magen zusammenzog. „Du hast das alles heraufbeschworen! Deine egoistischen Entscheidungen, deine Weigerung, uns zu unterstützen, haben sie geweckt!“

Ich schüttelte den Kopf, meine Lippen zu einer dünnen Linie gepresst. Es war unfassbar, wie tief ihre Ignoranz reichte.

Sie sahen die Symptome, aber weigerten sich, die wahre Krankheit zu erkennen. Meine Mutter weigerte sich, die Verantwortung für ihr eigenes manipulatives Verhalten zu übernehmen.

„Mama, Jens“, sagte ich, meine Stimme war ruhig, obwohl mein Herz wie wild pochte. „Das ist nicht einfach meine Schuld. Es gibt etwas viel Älteres im Haus, etwas, das ihr nicht versteht.“

Helga schnaubte verächtlich. „Älteres? Das ist Unsinn! Es ist deine Verantwortung! Du warst immer so undankbar, nie hast du die Familie an die erste Stelle gesetzt!“

Ihre Worte trafen mich wie ein Pfeil. Es war die gleiche alte Leier, die ich schon als Kind gehört hatte, jedes Mal, wenn ich meine eigenen Bedürfnisse über ihre vermeintlichen Prioritäten stellte. Sie machte mir immer die gleichen Vorwürfe, dieselben Schuldgefühle, die mich in ihrer Kindheit so oft zerbrochen hatten.

Ich konnte ihre Verzweiflung sehen, aber ich konnte auch die Manipulation dahinter erkennen. Es war ein verzweifelter Versuch, mich durch Schuldgefühle zur Rückkehr zu zwingen.

„Ich habe im Archiv etwas gefunden“, fuhr ich fort und versuchte, ruhig zu bleiben. „Es gibt eine alte Legende über das Haus, über einen Pakt.“

Helga verdrehte die Augen. „Legenden? Du spinnst doch! Das ist doch nur eine Ausrede, um dich vor deiner Pflicht zu drücken! Deine Pflicht als Tochter!“

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