Leonie wurde von ihren Eltern verprügelt, als sie Miete für ihr eigenes Haus verlangten, aber sie hatte alles auf Video.
Die Nachricht an Max Schneider war noch keine Stunde raus, da klingelte mein Telefon. Es war Katrin.
„Ich kann nicht glauben, dass du es getan hast!“, sagte sie, ihre Stimme klang aufgeregt und hoffnungsvoll zugleich. „Du hast die E-Mail rausgeschickt?“
„Ja“, sagte ich, meine eigene Stimme immer noch etwas zittrig, aber mit einem Hauch von Entschlossenheit. „Ich habe gesagt, dass ich die Hilfe annehme. Es fühlt sich immer noch… unwirklich an.“
„Unwirklich oder nicht, Renate, es ist passiert“, erwiderte Katrin. „Das ist unsere Chance. Jetzt müssen wir uns an die Arbeit machen.“
„An die Arbeit? Was meinst du?“, fragte ich, während ein unbestimmtes Unbehagen in mir aufstieg.
„Wir können nicht einfach nur auf den Anwalt warten“, erklärte sie. „Wir müssen ihm etwas liefern. Etwas Konkretes. Bernd ist ein Lügner, und ich bin mir sicher, dass er nicht nur bei den Kindern lügt.“
Meine Schwester war schon immer diejenige gewesen, die pragmatisch und direkt an Probleme heranging. Sie verlor sich nicht in Gefühlen, sie suchte nach Lösungen. Ich bewunderte sie dafür.
„Was genau willst du tun?“, fragte ich.
„Ich will seine Finanzen unter die Lupe nehmen“, sagte sie, ihre Stimme war nun leiser, fast verschwörerisch. „Bernd hat immer ein sehr oberflächliches Verhältnis zu Geld gehabt. Und ich traue ihm nicht über den Weg, besonders nicht, seit er dich so brutal von allem abgeschnitten hat.“
Ich zögerte. „Katrin, das ist gefährlich. Wenn Bernd herausfindet, dass du in seinen Sachen wühlst…“
„Er wird es nicht herausfinden, wenn ich vorsichtig bin“, unterbrach sie mich. „Und ich werde vorsichtig sein. Ich habe seine Gewohnheiten studiert. Er ist am Wochenende oft nicht zu Hause. Und ich habe immer noch einen Ersatzschlüssel für die alte Garage, wo er seinen Krempel lagert.“
Ein kalter Schauer lief mir über den Rücken. Die Garage war voller alter Möbel, Kartons und nutzlosem Zeug. Bernd war ein Sammler, wenn es um Dinge ging, die er irgendwann vielleicht noch gebrauchen könnte. Das klang verrückt, aber Katrin war ernst.
„Aber wonach suchst du?“, fragte ich.
„Nach allem, was seine Behauptungen widerlegt“, sagte sie. „Nach Belegen, die zeigen, dass er nicht so mittellos ist, wie er vorgibt. Oder dass seine finanziellen Schwierigkeiten schon lange vor deinem Zusammenbruch existierten. Ich habe ein komisches Gefühl, dass da mehr im Busch ist, als wir ahnen.“
Ich konnte nur zustimmen. Bernds plötzliche Härte und sein eiskaltes Vorgehen gegen mich, finanziell und persönlich, wirkten wie ein durchdachter Plan, nicht wie eine Reaktion auf meine momentane Schwäche.
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