Eine Weihnachtskarte für ein Heim: Wie ich die Gier meines Sohnes und sein verstecktes Mafia-Geheimnis aufdeckte
Hannelore saß Herrn Gruber gegenüber, die portugiesische Sonne wärmte sanft ihr Gesicht. Die Wärme konnte die innere Kälte nicht vertreiben, die sie empfand, als Gruber fortfuhr.
Er schob ein weiteres Tablet über den Tisch. Diesmal waren darauf detaillierte Protokolle von Klaus’ Telefonaten und Treffen.
„Ihr Sohn ist, wie gesagt, nicht subtil“, begann Gruber, seine Stimme war kühl. „Er hat versucht, Kontakte zu knüpfen. Leute, die ihm angeblich helfen könnten, an das ‚Familienvermögen‘ zu gelangen.“
Hannelore nickte stumm. Ihr Magen zog sich zusammen.
„Er sprach mit einem gewissen Herrn Lehmann. Einem kleinen Fisch, aber mit Verbindungen.“
Herr Gruber zeigte auf einen Eintrag auf dem Bildschirm.
„Dieser Lehmann ist ein Unterhändler. Er arbeitet für ein Ableger-Syndikat. Er hat Klaus nicht geholfen, an Franz’ Vermögen zu kommen, sondern vielmehr versucht, Informationen über Sie und die versteckten Werte zu erhalten.“
Hannelore stieß einen erstickten Laut aus.
„Das heißt… die Zahlungen. Die Hypothek, die Studiengebühren… das war keine Wohltätigkeit.“
Gruber blickte sie ernst an.
„Genau. Seit Franz’ Tod wurde Klaus von diesem Lehmann ‚kontaktiert‘. Subtil zuerst. Kleine Gefallen, dann größere ‚Schuldverpflichtungen‘.“
Er räusperte sich.
„Die Zahlungen, die Sie geleistet haben, waren im Grunde Schutzgeld. Nicht für Klaus, sondern um dieses Ableger-Syndikat von Franz’ Netzwerk fernzuhalten.“
Hannelore fühlte sich, als würde ihr der Boden unter den Füßen weggezogen. Sie hatte ihren Sohn all die Jahre unwissentlich vor dem Zugriff der Unterwelt geschützt.
Sie hatte gedacht, sie würde Klaus einfach nur finanziell unterstützen, um ihm auf die Beine zu helfen.
Es war ihr Weg gewesen, die Erinnerung an Franz und seine Fehler zu ehren, indem sie ihren Sohn vor den Nachwirkungen schützte.
Doch in Wirklichkeit war sie eine unfreiwillige Vermittlerin zwischen ihrem unwissenden Sohn und der Gefahr, die er selbst anzog.
„Klaus wusste nie, dass diese Zahlungen von mir ein Schutzwall waren“, sagte Hannelore leise. „Er dachte, es sei einfach so.“
„Er ist naiv“, erwiderte Gruber trocken. „Und gierig. Eine gefährliche Kombination in unserer Welt.“
Hannelore spürte eine Welle der Bitterkeit.
Ihr Sohn hatte ihre Güte für selbstverständlich gehalten, während sie ihn vor einer Welt bewahrte, die er nicht verstand.
„Dieser Lehmann hat nun Informationen über Klaus’ Dilettantismus gestreut“, fuhr Gruber fort. „Das macht ihn zu einem Risiko für das gesamte Netzwerk.“
„Ein Risiko? Für uns alle?“ Hannelores Stimme zitterte.
„Ja. Ein unberechenbarer Faktor kann das gesamte System stören.“
In Deutschland verstrickte sich Klaus derweil immer tiefer in seine eigenen Lügen und verzweifelten Versuche.
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