Eine Weihnachtskarte für ein Heim: Wie ich die Gier meines Sohnes und sein verstecktes Mafia-Geheimnis aufdeckte
Die Landung in Deutschland war unscheinbar. Hannelore verließ den Flughafen durch einen Nebenausgang, ein Taxifahrer, den Herr Gruber arrangiert hatte, wartete bereits.
Keine Begrüßung, keine Familienmitglieder. Nur die kühle, vertraute Luft ihrer Heimat.
Sie hatte eine kleine, diskrete Wohnung in einem ruhigen Vorort gemietet, weit genug entfernt von ihrem alten Zuhause, um nicht aufzufallen.
Der Blick aus dem Fenster ging auf einen kleinen Park. Alles war grau in grau, ein Kontrast zu den leuchtenden Farben Lissabons.
Ihre Parkinson-Symptome waren nach der Reise schlimmer geworden. Ihre Hände zitterten unaufhörlich, jeder Schritt war eine Anstrengung.
Doch in ihren Augen lag eine klare Entschlossenheit.
Sie richtete sich langsam ein, packte ihre wenigen Sachen aus. Die Wohnung war spartanisch, aber funktional. Ein Rückzugsort.
Währenddessen in Klaus’ Büro. Lena Wagner saß an ihrem Schreibtisch und starrte auf den USB-Stick in ihrer Handtasche.
Sie hatte Klaus’ zunehmende Verzweiflung bemerkt. Er war oft abwesend, telefonierte ständig mit Notar Brandt und anderen zwielichtigen Gestalten.
Sie wusste, sie musste handeln. Aber wie? Direkt an Hannelore herantreten war gefährlich.
Sie suchte nach einem sicheren Weg. Sie erinnerte sich an ein altes Hobby Hannelores: das Züchten seltener Orchideen.
Hannelore war Mitglied in einem lokalen Orchideenverein gewesen. Lena suchte online nach dem Verein, fand eine E-Mail-Adresse.
Sie formulierte eine vorsichtige Nachricht, ohne Namen zu nennen, nur Andeutungen.
„Eine alte Dame, die Orchideen liebt, braucht vielleicht Hilfe. Ich habe wichtige Informationen, die ihr Haus und ihr Wohlergehen betreffen.“
Sie schickte die E-Mail an die Vereinsvorsitzende, von der sie wusste, dass Hannelore sie mochte.
Hannelore saß in ihrer neuen, kargen Wohnung, als ihr Handy klingelte. Es war eine unbekannte Nummer.
Sie zögerte, nahm dann ab.
„Frau Schmidt? Hier ist Frau Meier vom Orchideenverein.“
Hannelores Augenbrauen zogen sich zusammen. Sie hatte jahrelang nicht mehr mit dem Verein zu tun gehabt.
„Ja?“
„Eine Dame hat sich gemeldet. Sie hat eine Nachricht hinterlassen, die vielleicht Sie betreffen könnte. Sie sprach von ‚wichtigen Informationen über ein Haus und das Wohlergehen einer älteren Orchideenliebhaberin‘.“
Hannelore spürte einen Adrenalinstoß. Lena. Es musste Lena sein.
„Ich verstehe“, sagte Hannelore. Ihre Stimme war ruhig. „Bitte geben Sie dieser Dame meine Nummer. Sagen Sie ihr, Hannelore Schmidt freut sich über eine alte Bekanntschaft.“
Kurz darauf klingelte ihr Handy erneut. Diesmal war es eine anonyme Nummer.
„Frau Schmidt? Hier ist Lena Wagner.“ Lenas Stimme war leise, fast ein Flüstern.
„Ich habe Informationen, die für Sie lebenswichtig sind.“
Hannelore nickte ins Leere.
„Ich weiß, Lena. Ich bin zurück in Deutschland. Wir müssen uns treffen.“
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