Chapter 3: Die Geister der Vergangenheit

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Mein Atem stockte, als ich den ersten Brief öffnete. Vorsichtig entfaltete ich das vergilbte Papier.

Es war kein Liebesbrief. Die Schrift war hektisch, fast zornig.

Der Absender war Frau Charlotte Steiner. Meine frühere Stiefmutter.

Das Datum war Jahre alt, kurz nach der Scheidung meiner Eltern. Eine Zeit, über die in unserer Familie nie viel gesprochen wurde.

Ich begann zu lesen, und jeder Satz zog mich tiefer in einen Strudel aus Verbitterung und Hass.

Frau Steiner schrieb an meinen Vater, warf ihm vor, sie im Stich gelassen zu haben. Aber das war nur der Anfang.

Sie beschrieb detailliert ihren finanziellen Ruin, die Schulden, die sie nach der Trennung angehäuft hatte. Ihre Worte waren voller Selbstmitleid, aber auch einer wachsenden, giftigen Wut.

Dann kam der Name Anne. Meine Stiefmutter.

Frau Steiner schrieb, dass Anne für all ihr Unglück verantwortlich sei. Sie sei ein Glücksjäger, eine Diebin, die ihr den Mann und das Leben gestohlen habe.

Sie beschuldigte Anne, hinter ihrem Rücken gegen sie intrigiert zu haben, sogar Geld verschwinden lassen zu wollen. Es waren absurde Anschuldigungen, fast wahnhaft.

Ich spürte, wie sich eine kalte Faust in meinem Magen ballte.

Das war es also. Nicht nur Gerede vom Ball.

Es war ein tiefer, alter Groll, der seit Jahren schwelte.

Die Wut, die sie am Ball gezeigt hatte, war nur ein kleiner Teil dieses riesigen Eisbergs der Verbitterung. Sie sah Anne nicht nur als Rivalin, sondern als die Wurzel all ihrer persönlichen Katastrophen.

Ich legte den Brief beiseite. Meine Hände zitterten immer noch.

Es war nicht nur ein Streit um meinen Vater gewesen. Es war ein Kampf um die Existenz, zumindest in Frau Steiners Augen.

Anne kam herein, ein Tablett mit Tee in der Hand. “Alles in Ordnung, Lena?”, fragte sie sanft. “Du siehst blass aus.”

Ich zwang mir ein Lächeln ab. “Alles gut, Anne. Nur ein bisschen Kopfschmerzen.”

Ich konnte ihr das jetzt nicht zeigen. Nicht, bevor ich verstanden hatte, was das wirklich bedeutete. Es war zu schmerzhaft, zu persönlich.

Ich wusste, Anne hatte sich immer große Mühe gegeben, freundlich zu Frau Steiner zu sein, selbst nach der Scheidung. Anne wollte nie Streit, nur Frieden.

Aber dieser Brief bewies, dass Frieden für Frau Steiner nie eine Option gewesen war.

Ich nahm einen Schluck vom warmen Tee, um meine Nerven zu beruhigen. Die Worte Frau Steiners hallten in meinem Kopf nach.

Sie war nicht einfach nur eifersüchtig. Sie war besessen.

Dieser Brief war ein Beweis für ihre lange gehegte Feindseligkeit, eine Motivation für alles, was sie uns antat.

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