Chapter 4: Die Anwaltsmühle

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Die Enthüllungen aus Frau Steiners Briefen ließen mir keine Ruhe. Carla und ich verbrachten die nächsten Tage damit, jede mögliche Information zu sammeln.

Wir wussten jetzt, dass Frau Steiners Hass tief saß und alt war.

Aber wir mussten auch die aktuellen Bedrohungen angehen: die Anwaltsbriefe, die eine forensische Prüfung der Schulspenden forderten.

„Wer sind diese Anwälte überhaupt?“, fragte Carla, während sie auf ihrem Laptop tippte. „‘Kanzlei Dr. Schmidt & Partner‘ – klingt seriös, ist aber im Internet kaum zu finden.“

Ich saß neben ihr, mein Skizzenbuch auf dem Schoß, aber meine Gedanken waren woanders. „Frau Steiner hat kaum Geld, das hat sie selbst geschrieben. Wie kann sie sich so eine Kanzlei leisten?“

Carla nickte. „Guter Punkt. Eine ‚forensische Prüfung‘ klingt nach viel Aufwand und hohen Kosten.“

Sie gab den Namen der Kanzlei in verschiedene Suchmaschinen ein, auch in Foren und Bewertungsportale.

Dann stieß sie auf etwas. Ein kleines, unscheinbares Forum für Kleinunternehmer.

„Schau mal hier“, sagte Carla, ihr Finger zeigte auf den Bildschirm. „Jemand schreibt hier über eine ‚Anwaltsmühle‘, die Drohbriefe verschickt, aber nie klagt.“

Ich lehnte mich näher heran. Der Artikel beschrieb, wie bestimmte Kanzleien sich darauf spezialisiert hatten, Einschüchterungsschreiben zu versenden, um Leute unter Druck zu setzen.

Sie arbeiteten oft mit Pauschalhonoraren für das Schreiben der Briefe, aber die tatsächliche Durchsetzung einer Klage war selten ihr Ziel. Die Kosten wären einfach zu hoch.

„‚Dr. Schmidt & Partner‘ wird hier namentlich genannt“, sagte Carla aufgeregt. „Sie verschicken scheinbar massenhaft solche Drohbriefe, vor allem in Familienstreitigkeiten.“

Ein Gefühl der Erleichterung durchzuckte mich, gefolgt von Wut.

Frau Steiner spielte ein dreckiges Spiel. Sie wusste genau, dass sie keine echten Beweise hatte.

Sie setzte einfach auf die Einschüchterung. Sie nutzte unsere Angst und unsere Unerfahrenheit aus.

„Das ist ein Trick“, sagte ich. „Sie will nur, dass Anne aufgibt, dass die Schule Angst bekommt und Annes Ruf zerstört wird.“

Carla nickte. „Genau. Eine teure Drohung, die aber in der Praxis meist leer verläuft, weil ein richtiges Gerichtsverfahren für Frau Steiner viel zu teuer wäre und sie wahrscheinlich keine Chance hätte.“

Das war ein wichtiger Hinweis. Es bestätigte, dass Frau Steiners finanzielle Schwierigkeiten eine Rolle spielten und dass ihre aktuellen Aktionen nicht aus einer Position der Stärke, sondern der Verzweiflung kamen.

Es war eine Bestätigung, die sich mit den Briefen verband, die ich gefunden hatte.

Ich rief meine beste Freundin Carla an. „Wir müssen das Anne und meinem Vater erzählen“, sagte ich. „Sie müssen wissen, dass diese Drohungen vielleicht gar nicht so ernst sind.“

„Ja, aber sie müssen es richtig verstehen“, erwiderte Carla. „Nicht, dass sie es auf die leichte Schulter nehmen und dann doch eine echte Klage kommt.“

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