Die Suche im Internet gestaltete sich schwieriger, als ich gedacht hatte. Ich war kein Computerexperte, weit entfernt davon. Mein altes Smartphone war eher zum Telefonieren gedacht, nicht für detektivische Arbeit. Doch die Entschlossenheit, Mia zu schützen, trieb mich an. Ich saß stundenlang am Küchentisch, tippte mit meinen steifen Fingern Buchstaben in die Suchleiste, probierte verschiedene Kombinationen aus Thomas’ Namen, Geburtsdatum und alten Wohnorten. Ich fühlte mich wie ein Archäologe, der in den Ruinen einer längst vergangenen Zeit nach verlorenen Artefakten gräbt. Die meisten Ergebnisse waren nutzlos – alte Profile, die nichts sagten, oder falsche Fährten.
Meine Augen schmerzten vom Starren auf den kleinen Bildschirm. Ich war kurz davor, aufzugeben, als mir ein alter Tipp von Thomas einfiel. Er hatte vor Jahren einmal von einem lokalen Stadtforum erzählt, in dem er sich über die Politik der Gemeinde ausgelassen hatte. Er hatte es als „sein Ventil“ bezeichnet. Es war ein Nischenforum, nur für Einwohner der Stadt und der näheren Umgebung. Ich suchte danach.
„Forum Kleinburg“, tippte ich ein.
Tatsächlich fand ich es. Eine veraltete Seite, das Design war aus den frühen 2000ern, voller Werbung und unübersichtlicher Kategorien. Es war fast tot, nur noch wenige Beiträge pro Monat. Aber es war ein Archiv. Ich registrierte mich unter einem neutralen Namen – „Sucher73“ – und begann, die alten Beiträge zu durchsuchen. Ich suchte nach Thomas’ bekannten Pseudonymen, von denen er mir einmal stolz erzählt hatte: „Der Wahrheitsfinder“ oder „Gerechtigkeitskämpfer99“.
Es dauerte Stunden. Ich durchforstete Dutzende von Seiten, scrollte durch Diskussionen über Müllentsorgung und die jährliche Kirmes. Dann, in einem Thread über die lokale Wirtschaftskrise, fand ich ihn. Einen Beitrag unter dem Pseudonym „GeldsorgenGeplagter“. Der Ton war wütend, verzweifelt.
Der Nutzer beklagte sich über die Ungerechtigkeit des Lebens, über fehlende Aufstiegschancen und, was mich aufhorchen ließ, über eine „ungerechte Erbschaft“.
Ich klickte auf das Profil des Nutzers. Es gab keine persönlichen Informationen, aber eine Reihe weiterer Beiträge unter demselben Pseudonym, die sich über einen Zeitraum von mehreren Monaten erstreckten, ungefähr ein Jahr vor Helgas Tod beginnend und kurz danach endend. Der erste Beitrag war allgemein gehalten, über „den finanziellen Ruin, der immer näher rückt“.
Dann kam ein Beitrag, der wie ein Schlag ins Gesicht wirkte.
„Es ist zum Kotzen“, schrieb „GeldsorgenGeplagter“.
„Man arbeitet sich krumm, und dann bekommt die liebe Familie alles in den Schoß gelegt, während man selbst mit leeren Händen dasteht. Vor allem, wenn das Erbe völlig unfair aufgeteilt wurde. Meine eigene Mutter hätte gewusst, dass ich das Geld nötiger habe als andere.“
Der Gedanke, dass Thomas Helgas Erbe als „ungerecht aufgeteilt“ ansah, während Mia und ich unseren Anteil erhielten, erfüllte mich mit einem kalten Schauer. Es war Thomas’ Art, auf die Welt zu blicken: Was er nicht hatte, wurde ihm vorenthalten. Ich las weiter, meine Finger zitterten leicht.
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