Die Suche in Richters Büro hatte uns in eine Sackgasse geführt, aber sie hatte auch eine neue Richtung aufgezeigt: Frau Meier. Sie war die Verbindung zwischen Richter und der Außenwelt, die offizielle Beglaubigerin seiner betrügerischen Geschäfte.
Wir saßen am nächsten Morgen in einem kleinen Café außerhalb der Gemeinschaft, um nicht entdeckt zu werden. Der Geruch von frischem Kaffee und Gebäck vermischte sich mit unserer Anspannung. Herr Klaus hatte versucht, die Fassung zu bewahren, doch seine Hände zitterten leicht, als er seinen Espresso zum Mund führte.
“Wie kontaktieren wir sie?”, fragte ich. “Sie wird uns nichts erzählen, wenn sie involviert ist.”
Herr Klaus rieb sich über das Kinn.
“Wir brauchen einen Vorwand. Etwas Offizielles, aber unverfängliches.”
Ich überlegte kurz. Die “Heilige Stiftung” war der Kern des Betrugs. Jeder von uns hatte einen Vertrag unterschrieben. Ich könnte mich als besorgtes Mitglied ausgeben, das eine vermeintlich technische Frage zu den Bedingungen des eigenen Vertrags hatte.
“Ich rufe sie an”, sagte ich schließlich. “Ich frage sie nach einer Kleinigkeit im Vertrag meiner Mutter. Etwas, das unklar formuliert ist.”
Herr Klaus sah mich an, seine Augen zeigten eine Mischung aus Bewunderung und Sorge.
“Sei vorsichtig, Elara. Sie ist eine Notarin. Sie ist geübt darin, Fragen abzuwehren.”
Ich nickte. Ich wusste, dass sie eine formidable Gegnerin sein würde.
Ich wählte die Nummer von Frau Meiers Notariat. Mein Herz klopfte unregelmäßig, als die Leitung verbunden wurde. Nach ein paar Sekunden meldete sich eine kühle, professionelle Stimme.
“Notariat Meier. Wie kann ich Ihnen helfen?”
“Guten Tag, mein Name ist Elara Schmidt”, begann ich, meine Stimme war ruhiger, als ich sie erwartet hatte. “Ich bin Mitglied der Gemeinschaft ‘Der Erleuchtete Pfad’. Ich hätte eine kurze Frage zu den Unterlagen der ‘Heiligen Stiftung’.”
Eine kurze Pause am anderen Ende der Leitung. Ich konnte fast spüren, wie Frau Meier meine Worte abwog.
“Ja, Frau Schmidt”, sagte sie schließlich, ihre Stimme war nun etwas kühler. “Was genau ist Ihr Anliegen?”
Ich formulierte meine Frage so vage wie möglich, eine scheinbar harmlose Nachfrage über eine Klausel bezüglich der Vererbung von Gemeinschaftsanteilen. Es war eine Finte, um ihre Reaktion zu testen.
Frau Meier antwortete schnell und präzise, aber mit einer steifen, fast mechanischen Tonlage.
“Die Dokumente sind eindeutig formuliert. Alle Modalitäten sind den Unterzeichnern bekannt.”
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