Mutter deckt Verlobte ihres Sohnes auf, entdeckt aber eine noch schlimmere Wahrheit über ihn
Renate verbrachte die nächsten Tage in einem Dunst der Verzweiflung und Entschlossenheit.
Lars’ Worte brannten sich in ihr Gedächtnis ein, wie ein schleichendes Gift, das langsam ihre Hoffnung zerfraß.
„Nützlich“, hatte er über Clara gesagt.
Das Wort klang hohl, kalt, unpassend für eine Verlobung.
Die Frau, die ihren Sohn heiraten sollte, war für ihn lediglich ein Werkzeug.
Und er selbst?
Ein Komplize im Aufstieg.
Sie wusste, dass sie handeln musste.
Sie konnte nicht tatenlos zusehen, wie Lars in diesen Strudel geriet.
Ihre eigenen Nachforschungen gestalteten sich jedoch schwierig.
Clara Weber schien auf den ersten Blick eine undurchsichtige Fassade der Perfektion zu pflegen.
Ihre sozialen Medien waren voller makelloser Bilder, ihre geschäftlichen Verbindungen wirkten einwandfrei.
Doch Renate wusste, dass es unter der Oberfläche brodelte.
Sie erinnerte sich an Claras aggressive Haltung, als sie Frau Schulz bedroht hatte, eine Andeutung von rücksichtslosen Finanzgebaren bei Lars’ ehemaliger Firma.
Diese Information, auch wenn vage, war der einzige Anhaltspunkt, den Renate hatte.
Sie begann, alte Zeitungsartikel zu wälzen, durchforstete Online-Archive nach Berichten über Firmeninsolvenzen oder zwielichtige Geschäftspraktiken, die mit Claras Namen in Verbindung gebracht werden könnten.
Es war eine mühsame Arbeit für Renate, die sich im Dschungel der Finanzwelt nicht wirklich auskannte.
Sie besuchte alte Geschäftskontakte ihres verstorbenen Mannes, fragte vorsichtig nach, ob sie jemals von einer Clara Weber gehört hatten, die in problematische Fälle verwickelt war.
Die Antworten waren vage, manchmal abweisend.
Niemand wollte sich die Finger verbrennen.
Eines Nachmittags, erschöpft von ihren fruchtlosen Bemühungen, setzte Renate sich in dasselbe Café, in dem Clara Frau Schulz bedroht hatte.
Sie bestellte einen schwarzen Kaffee und blätterte durch eine alte Zeitschrift, ihre Gedanken rasten.
Sie musste einen neuen Ansatz finden.
Sie musste jemanden finden, der nicht so leicht einzuschüchtern war.
Als sie aufblickte, sah sie ihn.
Herr Baumann, den sie schon einmal im Café bemerkt hatte, saß am Nebentisch und las seine Zeitung.
Er war derselbe besonnene, unauffällige Herr wie zuvor.
Ihre Blicke trafen sich kurz.
Herr Baumann nickte ihr freundlich zu, erkannte sie wieder.
Eine vage Erinnerung an das Gespräch zwischen Clara und Frau Schulz blitzte in Renates Kopf auf.
Etwas in Herrn Baumanns unaufgeregter Präsenz gab ihr einen Funken Hoffnung.
Sie wagte es.
Sie stand auf und ging zu seinem Tisch.
„Verzeihen Sie die Störung“, begann Renate, ihre Stimme war etwas zittrig.
„Aber ich glaube, ich habe Sie schon einmal hier gesehen. Und ich habe zufällig ein Gespräch mit angehört, das… mich beunruhigt hat.“
Herr Baumann legte seine Zeitung langsam ab.
Er lächelte.
„Ja, das ist gut möglich, gnädige Frau. Ich komme regelmäßig hierher. Und ich erinnere mich an Sie. Sie waren diejenige, die… äh… von einer gewissen Dame ziemlich unsanft behandelt wurde, nicht wahr? Auf der Verlobungsfeier.“
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