Ihre öffentliche Demütigung auf der Hochzeit ihres Ex-Mannes wurde zum Auslöser einer fesselnden Geschichte über versteckte Familiengeschäfte und politische Intrigen, die mit einem furchtbaren Schr...
Am nächsten Morgen fuhr ich zu Dr. Ulrich Kellers abgelegenem Haus. Es lag versteckt hinter hohen Bäumen, an einer schmalen, unbefestigten Straße, die kaum befahren wurde. Ein altes, aber gepflegtes Backsteinhaus mit einem verwilderten Garten strahlte eine ruhige, fast melancholische Atmosphäre aus.
Ich parkte mein Auto und stieg aus, die frische Landluft füllte meine Lungen. Mein Herz schlug ein wenig schneller, als ich auf die schwere Holztür zuging. Ich drückte den alten Messingknauf der Klingel.
Nach einer Weile öffnete sich die Tür einen Spalt. Dr. Keller stand mir gegenüber, sein Gesicht war von tiefen Falten gezeichnet, die seine 70 Jahre verrieten. Seine Augen, klar und durchdringend, musterten mich skeptisch.
“Guten Tag, Frau Weber”, sagte er, seine Stimme war unerwartet kräftig für sein Alter. “Ich nehme an, Sie sind wegen der Richter-Affäre hier.”
Ich war überrascht, dass er meinen Namen kannte und sofort den Kontext herstellte. Es zeigte, dass die Nachricht über den Skandal weit verbreitet war. Ich nickte.
“Ja, Dr. Keller. Ich brauche Ihre Hilfe”, sagte ich, meine Stimme war fest.
Er zögerte einen Moment, dann öffnete er die Tür weiter und lud mich mit einer Geste ins Haus ein. Der Flur war dunkel und roch nach alten Büchern und Papier. Überall stapelten sich Bücher, manche bis zur Decke.
Wir setzten uns in sein Arbeitszimmer, das ebenfalls bis auf den letzten Winkel mit Büchern gefüllt war. Eine alte Karte Brandenburgs hing an der Wand, übersät mit Notizen und Markierungen. Es war die Welt dieses Mannes.
“Was genau erwarten Sie von mir, Frau Weber?”, fragte er, seine Stimme war jetzt vorsichtiger. “Ich bin nur ein Historiker. Und diese Angelegenheit scheint sehr politisch zu sein.”
Ich erzählte ihm die ganze Geschichte: von Gerhards öffentlicher Demütigung, Jans Enthüllung auf der Hochzeit und Hauptkommissar Schmidts schneller Vertuschung. Ich erwähnte auch den anonymen Anruf und die Aufforderung, ihn zu kontaktieren.
Keller hörte schweigend zu, seine Augen aufmerksam auf mich gerichtet. Er nickte manchmal leicht, als ob er meine Worte mit seinen eigenen Gedanken abglich. Er schien jede Nuance meiner Erzählung zu analysieren.
Als ich fertig war, lehnte er sich zurück und seufzte tief. “Gerhard Richter”, murmelte er. “Ich hätte wissen müssen, dass es so kommen würde.”
Mein Blick fixierte ihn. “Sie kennen Gerhard?”
“Nur zu gut”, sagte Keller, sein Blick verlor sich in der Ferne. “Ich war sein politischer Mentor in seinen frühen Jahren. Ich habe ihm geholfen, seine ersten Schritte in der Politik zu machen.”
Er schüttelte den Kopf, ein Ausdruck tiefer Reue zeichnete sich auf seinem Gesicht ab. “Vor Jahrzehnten, als Gerhard noch am Anfang seiner Karriere stand, gab es eine kleinere Affäre.”
“Eine Unterschlagung von Wahlkampfspenden”, gestand er, seine Stimme war leise. “Nichts Dramatisches, aber genug, um seine Karriere zu beenden, bevor sie richtig begonnen hatte.”
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