Chapter 5: Die schützende Hand der Schwester

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Ich saß am Schreibtisch, vertieft in die juristischen Dokumente von Lorenz’ Anwälten, als Lena ins Büro kam. Ihr Gesicht war ungewohnt angespannt.

“Herr von Hagen”, sagte sie leise. “Ihre Schwester ist da. Clara von Hagen.”

Ich legte die Papiere abrupt nieder. Clara? Hier? Ohne Ankündigung?

Es war Jahre her, seit sie meine Villa betreten hatte. Unser letztes Treffen war in einem Restaurant gewesen, und es war in einem leisen Streit geendet.

“Lassen Sie sie herein”, sagte ich und versuchte, meine Überraschung zu verbergen.

Ein paar Momente später stand Clara in der Tür, ihre Präsenz war so unerschütterlich wie eh und je. Ihre dunklen Haare waren streng zurückgebunden, ihre Kleidung war makellos.

Sie sah mich mit ihren scharfen, blauen Augen an, die so sehr denen unseres Vaters ähnelten. Da war Sorge in ihrem Blick, die sie sofort zu verbergen versuchte.

“Elias”, sagte sie, ihre Stimme war ruhig, fast kühl. “Ich habe gehört, du hast Ärger.”

Es war keine Frage, eher eine Feststellung. Die Distanz zwischen uns war greifbar, ein unsichtbarer Schleier aus unausgesprochenen Vorwürfen und Enttäuschungen.

“Ich komme klar”, erwiderte ich, meine Stimme war ebenso distanziert. “Wie immer.”

Sie lächelte nicht. Stattdessen ging sie langsam auf meinen Schreibtisch zu, ihre Augen scannten die auf den Dokumenten ausgebreiteten Informationen.

“Ich habe gehört, dieser Kiesel macht dir das Leben schwer”, sagte sie. “Die Stiftung, nicht wahr?”

Ich nickte. “Es ist ein Kampf, ja. Aber wir haben Dr. Schmidt. Wir werden gewinnen.”

Sie hob eine Augenbraue. “Du hast immer schon zu viel Vertrauen in die Gerechtigkeit gehabt. Und zu wenig in die Menschen, die dir am nächsten stehen.”

Es war eine Spitze, die ich sofort verstand. Ein Verweis auf unsere Vergangenheit, auf mein Misstrauen, das unsere Beziehung zerstört hatte.

Ein unbehagliches Schweigen breitete sich im Raum aus. Ich wartete darauf, dass sie ihre wahren Motive offenbarte. Clara tat nichts ohne Grund.

“Ich habe mir Sorgen gemacht, Elias”, sagte sie dann, ihre Stimme war leiser geworden. “Nicht nur um die Stiftung. Auch um dich.”

Sie sah mich direkt an. Ihre Augen waren ernst, durchdringend. Es war ein Blick, der tief in meine Seele zu blicken schien.

“Ich habe die Entwicklung der ‘Stiftung Hoffnung’ schon länger beobachtet”, fuhr sie fort. “Sie leistet wirklich wichtige Arbeit, Elias. Dein Vater wäre stolz gewesen.”

Dieses Lob aus ihrem Mund war so selten, dass es mich überraschte. Ein kleiner Hoffnungsschimmer keimte in meiner Brust auf, nur um sofort von meinem Zynismus erstickt zu werden.

Was wollte sie? Warum war sie hier?

Clara stellte eine alte, lederne Mappe auf meinen Schreibtisch. Sie war fest verschlossen und sah aus, als hätte sie schon viele Jahre auf dem Buckel.

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