Ich fuhr zu Thomas’ Haus, mein Herz pochte schwer in meiner Brust. Dies war der schwerste Teil, die finale Konfrontation mit meinem eigenen Sohn. Ich hatte Frau Gruber bereits alle gesammelten Beweise übergeben – die Forum-Beiträge, Lenas Zeugenaussage, Notar Schmidts detailliertes Geständnis über die Bestechung und das manipulierte Dokument. Sie war auf dem Weg, würde aber erst in einer Stunde eintreffen, um mir einen Vorsprung zu geben. Ich hatte ein kleines digitales Aufnahmegerät in meiner Tasche, eingeschaltet und bereit. Thomas würde seine eigene Zunge zum Strick machen.
Ich klingelte. Thomas öffnete die Tür, sein Gesicht war von einem falschen Lächeln gezeichnet.
“Papa!”, sagte er, seine Stimme überschwänglich.
“Was für eine Überraschung! Komm rein.”
Ich trat ein. Das Wohnzimmer war unordentlich, so wie ich es erwartet hatte. Leere Pizzakartons und Zeitschriften lagen auf dem Couchtisch. Ich setzte mich auf den Sessel, der Helgas Lieblingssessel gewesen war.
“Ich muss mit dir reden, Thomas”, sagte ich, meine Stimme war ruhig, fast emotionslos.
Thomas setzte sich mir gegenüber, sein falsches Lächeln wich einer gespielten Besorgnis.
“Geht es um Mia? Ich habe sie heute Morgen angerufen, sie klang schon viel besser. Ich mache mir solche Sorgen um sie, Papa. Du weißt doch, wie Kinder manchmal sind, diese Fieberfantasien…”
“Es geht nicht um Fieberfantasien, Thomas”, unterbrach ich ihn.
“Es geht um die ‘besonderen Süßigkeiten’, die du ihr gegeben hast.”
Sein Blick zuckte. Er versuchte, es schnell zu verbergen, aber ich sah es.
“Was redest du da, Papa?”, sagte er, sein Ton wurde lauter, aggressiver.
“Du bist noch immer in Trauer um Mama. Ich verstehe das, aber du solltest nicht so paranoid sein. Mia neigt manchmal zu Übertreibungen. Sie hat das von Mama. Sie war auch immer so dramatisch.”
Er versuchte, Helgas Andenken zu benutzen, um mich zu manipulieren. Mein Magen zog sich zusammen.
“Das ist eine ungeheuerliche Anschuldigung!”, fuhr er fort.
“Ich würde Mia niemals etwas antun! Ich liebe sie! Du bist verrückt geworden, Papa. Sieh doch mal, was der Kummer aus dir macht. Du siehst Gespenster.”
“Ich sehe keine Gespenster, Thomas”, sagte ich, meine Stimme war wie Eis.
“Ich sehe die Wahrheit.”
Ich zog das kleine Aufnahmegerät aus meiner Tasche und legte es auf den Tisch. Thomas’ Augen weiteten sich.
“Was ist das?”, fragte er, seine Stimme klang jetzt panisch.
“Das ist die Überwachungskamera aus Mias Zimmer”, sagte ich.
“Du hast sie dort angebracht, um sie zu überwachen, nicht wahr? Um sicherzustellen, dass sie nichts sieht, was du tust. Ich habe sie gefunden. Und sie hat eine Aufnahmefunktion.”
Thomas schluckte schwer. Er versuchte, sich zu fassen.
“Das ist… das ist nur, um Mia im Auge zu behalten. Du weißt, ich bin manchmal nicht da. Für ihre Sicherheit!”
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