Mein Schwager und meine Schwiegereltern versuchten, meine schwangere Frau und meinen Sohn zu vertreiben, aber ich hatte einen unerwarteten Beweis.
Die Sirenen der Krankenwagen und Polizeiwagen zerrissen die Abendluft. Das Haus war voller Blaulicht, Notärzte und Sanitäter wuselten umher.
Ich saß im Krankenwagen, Katjas Hand fest in meiner. Ihre Augen waren geschlossen, ihr Atem flach. Die Schmerzen hatten sie fast ohnmächtig werden lassen.
Levent wurde von Ayşe in den Arm genommen, die versuchte, ihn zu beruhigen, während er schluchzte und immer wieder nach seiner Mama rief.
Im Krankenhaus wurde Katja sofort in den Schockraum gebracht. Ich stand wie angewurzelt da, unfähig, mich zu bewegen, unfähig, klar zu denken. Die Stunden des Wartens dehnten sich ins Unendliche.
Ayşe saß neben mir, ihre Hand auf meinem Arm, aber ihre Augen waren voller tiefer Trauer. Auch sie stand unter Schock.
Dann kam der Arzt, sein Gesicht war ernst und müde. Er sah mich an, seine Miene verriet nichts Gutes.
„Herr Ergün“, sagte er leise, seine Stimme war sanft, aber die Worte trafen mich wie ein Schlag. „Ihre Frau hatte eine schwere Plazentaablösung.“
Ich spürte, wie mir der Boden unter den Füßen wegzog. „Und das Baby?“
Der Arzt schüttelte langsam den Kopf. „Es tut mir leid. Trotz aller Bemühungen… wir konnten es nicht retten.“
Ein eisiger Griff packte mein Herz. Die Welt um mich herum verstummte. Ich hörte nichts mehr, sah nichts mehr. Nur eine tiefe, unerträgliche Leere.
Ayşes Hand krampfte sich um meinen Arm. Ein leiser Schrei entwich ihrer Kehle.
Ich saß da, unfähig zu weinen, unfähig zu schreien. Mein ungeborenes Kind. Mein Baby. Es war weg.
Der Arzt sprach weiter, aber seine Worte erreichten mich nicht wirklich. Etwas von „zu viel Stress“, „physischer Einwirkung“, „unglückliche Verkettung“.
Ich wurde an Katjas Bett geführt. Sie lag da, blass, ihre Augen waren geschlossen. Ein Schlauch führte aus ihrem Arm, eine leise Maschine piepte im Hintergrund.
Ich setzte mich an ihre Seite, nahm ihre kalte Hand in meine. „Katja“, flüsterte ich, aber meine Stimme war nur ein Hauch.
Ihre Augen öffneten sich langsam. Tränen traten hervor, noch bevor sie etwas sagen konnte.
„Das Baby…“, flüsterte sie. Ihre Stimme war kaum hörbar, zerbrochen.
Ich nickte, meine eigene Kehle war zugeschnürt. „Ich weiß, meine Liebe. Es tut mir so leid.“
Ihre Hand drückte meine. Es war eine Geste der gemeinsamen Trauer, ein stummer Schrei in der unerträglichen Stille des Zimmers.
Zwei Polizeibeamte betraten das Zimmer. Sie waren diskret, ihre Gesichter zeigten Mitgefühl.
„Herr Ergün“, sagte eine Beamtin. „Wir müssen den Vorfall in Ihrem Haus aufnehmen. Wie geht es Ihrer Mutter?“
„Sie liegt im Koma“, antwortete ich, meine Stimme war leer. „Schwere Kopfverletzung.“
Die Beamten nickten. Sie stellten mir Fragen, ich antwortete wahrheitsgemäß, so gut ich konnte. Von dem Streit, der Aufnahme, dem DNA-Test, Ismails Wut, dem versehentlichen Stoß.
„Gibt es eine Anzeige gegen Herrn Ergün Senior?“, fragte der andere Beamte.
Ich schüttelte den Kopf. „Meine Mutter kann keine Anzeige erstatten. Und ich… ich war nicht das Ziel seiner physischen Attacke.“
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