Chapter 6: Die unausgesprochene Anklage

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Der Tag der Konfrontation war gekommen. Meine Nerven waren zum Zerreißen gespannt, aber meine Entschlossenheit war härter als jeder Stahl. Ich hatte Erna gebeten, Otto Scholz zu überzeugen, seine Beobachtungen und Klaus’ frühere Methoden so detailliert wie möglich in einem Schreiben festzuhalten. Erna hatte einiges an Überredungskunst gebraucht, aber Scholz hatte es schließlich getan, wenn auch ohne Unterschrift, aus Angst.

Ich trug das Schreiben eng an meinem Körper. Meine Schritte waren fest, als ich mich Klaus’ Villa näherte. Die Sonne stand hoch am Himmel, und der Garten war makellos gepflegt. Ein Bild des Wohlstands, der sich so grausam von meiner eigenen, zerrütteten Existenz abhob.

Die Haustür stand offen, wahrscheinlich für die Lieferungen, die Klaus für seine anstehende Hochzeit erwartete. Ich schlüpfte unbemerkt hinein.

Ich fand Klaus in seinem Büro. Er saß hinter einem massiven Schreibtisch aus dunklem Holz, umgeben von voluminösen Büchern und glänzenden Auszeichnungen. Er war in ein Gespräch vertieft, hielt einen Telefonhörer an sein Ohr und lachte laut. Ein Hochzeitsplaner saß ihm gegenüber, breitete Muster und Stoffproben auf dem Tisch aus. Klaus schien völlig unbeschwert.

„…und das Buffet muss erstklassig sein, mein Lieber! Greta erwartet das Beste“, hörte ich ihn sagen.

Mein Magen zog sich zusammen. Er plante seine Zukunft, während meine zerstört war.

Ich trat leise in den Raum. Der Hochzeitsplaner sah mich zuerst, seine Augen weiteten sich vor Schock. Sein Mund öffnete sich, doch kein Ton kam heraus.

Klaus drehte sich um. Sein Lächeln erstarrte. Die Farbe wich aus seinem Gesicht. Er legte den Telefonhörer ab, seine Hand zitterte.

„Helga?“, flüsterte er, als hätte er ein Gespenst gesehen.

Der Hochzeitsplaner sprang auf und stolperte rückwärts.

„Ich… ich glaube, ich sollte… später wiederkommen“, stammelte er und eilte aus dem Raum.

Klaus und ich waren allein. Die Stille war erdrückend.

Ich ließ meinen Schal sinken, enthüllte die rosafarbenen Narben, die nun mein Gesicht zierten.

„Überrascht, Klaus?“, fragte ich.

Meine Stimme war tief und fest, ohne jegliches Zittern.

Er schluckte schwer.

„Was… was willst du hier? Du solltest im Krankenhaus sein. Oder zu Hause.“

„Ich bin hier, um die Wahrheit zu erfahren“, sagte ich.

Ich zog das gefaltete Schreiben von Otto Scholz hervor und legte es langsam auf seinen glänzenden Schreibtisch.

„Otto Scholz hat mir alles erzählt. Von Rolf Weber. Von Ihren ‚schmutzigen Geschäften‘. Wie Sie Konkurrenten aus dem Weg geräumt haben. Wie Sie ihn bedroht haben, damit er seinen Laden verkauft.“

Klaus’ Blick zuckte zu dem Schreiben. Seine Augen huschten über die obersten Zeilen. Angst breitete sich auf seinem Gesicht aus.

„Was für ein Unsinn! Der alte Scholz ist ein verbitterter Mann. Er hat keine Ahnung, wovon er redet.“

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