Die Wochen vergingen, während ich diskret nach einem geeigneten Anwalt suchte. Anja und ich versuchten, das Beste aus der Situation mit dem gesperrten Konto zu machen, aber die Last lastete schwer auf uns.
Eines Nachmittags erhielt ich einen panischen Anruf von Julia. Ihre Stimme war brüchig, am Rande der Verzweiflung.
„Heiner, du musst sofort herkommen!“, schrie sie ins Telefon. „Es ist die Galerie! Sie wollen mich ruinieren!“
Mein Herz machte einen Satz. Ich wusste sofort, dass Claudia wieder zugeschlagen hatte. Diese Frau kannte keine Grenzen.
Ich raste zu ihrer Galerie. Als ich ankam, war die Tür weit geöffnet, und ein großgewachsener, schmierig wirkender Mann mit einem billigen Anzug stand im Inneren und gestikulierte wild. Julias Gesicht war rot gefleckt, ihre Augen waren tränenblind. Lena klammerte sich an ihr Bein und weinte leise.
„Was ist hier los?“, fragte ich, meine Stimme war scharf.
Der Mann drehte sich um, sein Blick war kalt und berechnend. „Wer sind Sie denn? Das geht Sie nichts an.“
„Ich bin Heiner Koch“, sagte ich, meine Stimme war fest. „Und ich bin hier, um Julia zu helfen.“
Der Mann verzog das Gesicht. „Ah, der Herr Koch. Ich habe gehört, Sie haben Ihre eigenen finanziellen Schwierigkeiten. Wie wollen Sie da helfen?“
Eine Welle der Wut durchfuhr mich. Er hatte Informationen über mich. Das konnte nur von Claudia kommen.
„Was ist das Problem, Julia?“, fragte ich, ignorierte den Mann.
Julia schluchzte. „Er… er will die Miete um 30% erhöhen! Er sagt, es gäbe einen Fehler in meinem alten Mietvertrag! Er sagt, ich müsste bis Ende des Monats zahlen oder die Galerie schließen!“
30%. Das war ein astronomischer Betrag für eine kleine Kunstgalerie. Das war ihr Todesurteil.
„Das ist ein Betrug!“, sagte ich. „Ein alter Vertrag kann nicht einfach so geändert werden.“
Der Mann lachte höhnisch. „Oh doch, Herr Koch. Wenn der Fehler erst jetzt entdeckt wird, dann schon. Und ich bin sehr gut im Entdecken von ‚Fehlern‘.“
Er zog einen dicken Stapel Papiere hervor, die er mir triumphierend unter die Nase hielt. Es war eine Kopie von Julias Mietvertrag, und ein handgeschriebener Zettel mit Notizen.
„Und wer sind Sie überhaupt?“, fragte ich. „Der Besitzer der Immobilie?“
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