Chapter 9: Ein neues Licht

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Zwei Wochen später saß ich in meiner kleinen, charmanten Kunstgalerie in der Münchner Innenstadt.

Der Raum war hell und einladend, gefüllt mit dem Duft von frischer Farbe und warmem Kaffee.

Meine eigenen abstrakten Bilder, voller leuchtender Farben und dynamischer Formen, schmückten die Wände.

Es war eine Welt entfernt von den dunklen, staubigen Korridoren von Schloss Rabenstein.

Ich hatte meine Leidenschaft für die Kunst wiederentdeckt, die ich während meiner Ehe mit Anton unterdrückt hatte.

Die Galerie war meine neue Freiheit, mein eigenes Licht.

Anja saß mir gegenüber, nipt an ihrem Cappuccino.

“Die Rabenstein Erben GmbH hat offiziell Insolvenz angemeldet”, sagte sie.

“Die Stiftung übernimmt einen Großteil der Ländereien. Die restlichen Besitztümer werden zwangsversteigert.”

Ich nickte.

“Das war zu erwarten.”

“Und Anton?”, fragte ich.

Anja schüttelte den Kopf.

“Er ist völlig isoliert. Niemand will mehr mit ihm zu tun haben. Der Name Reimers ist ruiniert. Er lebt von einem kleinen Restvermögen, das seine Mutter noch retten konnte, aber das ist nur ein Bruchteil dessen, was er hatte.”

“Und Lena?”, wollte ich wissen.

“Keine Spur”, sagte Anja.

“Sie ist mit den Kindern verschwunden. Sie weiß, dass ihr eine Anklage wegen Betrugs droht.”

Ein leises Geräusch ließ mich aufblicken.

Ein Kunde, ein älteres Ehepaar, betrat die Galerie und bewunderte eines meiner neuen Bilder.

Ich lächelte ihnen zu.

“Das ist mein aktuelles Werk”, sagte ich.

“Ich nenne es ‘Wurzeln im Licht’.”

Sie nickten anerkennend und setzten ihr Gespräch über das Bild fort.

Ich kehrte zu Anja zurück.

“Und Therese?”, fragte ich.

Anja seufzte und schob eine aufgeschlagene Zeitung über den Tisch.

“Das ist das Neueste.”

Der Artikel, der die gesamte Titelseite einer überregionalen Zeitung füllte, trug die Schlagzeile: “Die wahre Macht hinter dem Rabenstein-Fluch: Therese Reimers als Drahtzieherin entlarvt.”

Ich las die Zeilen.

Der Artikel enthüllte, dass Therese Reimers der Hauptdrahtzieher hinter Lenas Plan war.

Sie hatte Anton gezielt glauben lassen, Lena besitze geheime Kenntnisse eines “alternativen Rituals”, um den Fluch zu umgehen.

Sie hatte gewusst, dass Lena nur eine Täuschung inszenieren würde, um Anton die “Erben” zu liefern, die er so verzweifelt brauchte.

Thereses wahres Ziel war nicht nur ein männlicher Erbe gewesen.

Es war die Aufrechterhaltung der *Macht*, die sie glaubte, aus dem Fluch selbst zu ziehen, indem sie die Kontrolle über dessen Geheimnisse behielt.

Sie war bereit gewesen, ihren eigenen Sohn dafür zu benutzen, ihn zu manipulieren und zu opfern, um das Vermächtnis, wie sie es sah, zu sichern.

Ein kalter Schauer lief mir über den Rücken.

Es war die ultimative Schicht des Verrats.

Therese hatte Anton nicht nur getäuscht, sondern ihn bewusst in die Falle gelockt, wissend, dass er scheitern würde, aber hoffend, dass er in seinem Scheitern ein Instrument für ihre eigene Macht sein würde.

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