Der gescheiterte Anruf bei Theresa Schulz hatte mich mehr mitgenommen, als ich zugeben wollte. Ihre panische Reaktion hallte in meinem Kopf wider, ein Beweis für die Tiefe ihrer Angst. Ich wusste, dass ich sie nicht einfach aufgeben konnte. Ihre Geschichte war zu wichtig, um sie von Evas Drohungen zum Schweigen bringen zu lassen.
Ich besprach mich erneut mit Frau Becker. Sie stimmte zu, dass wir Theresa nicht unter Druck setzen durften, aber dass wir sie auch nicht ignorieren konnten. Die Lösung war ein unauffälliger Brief, der Theresas Ängste anerkennen und ihr gleichzeitig die Möglichkeit einer sicheren Kontaktaufnahme bieten sollte.
Ich formulierte den Brief sorgfältig, mit Frau Beckers Hilfe. Ich schrieb darin, dass ich ihre Angst verstand, dass ich selbst Opfer von Eva Brandls Machenschaften geworden war. Ich erwähnte, dass wir Beweise hatten, die Evas wahres Gesicht zeigten, und dass wir ihr rechtliche Unterstützung anbieten könnten, sollte sie Angst vor Evas Drohungen haben. Ich versprach absolute Vertraulichkeit.
Einige Tage später erhielt ich einen unerwarteten Anruf von Theresa Schulz. Ihre Nummer war unterdrückt, ihre Stimme klang immer noch ängstlich, aber diesmal war eine Spur von Neugier und Verzweiflung darin.
„Frau Richter?”, fragte sie leise. „Ich habe Ihren Brief erhalten.”
„Ja, Frau Schulz”, sagte ich. „Ich hoffe, er hat Ihnen klargemacht, dass wir Ihnen helfen wollen.”
Sie zögerte. „Ich… ich weiß nicht. Eva Brandl ist eine mächtige Frau. Sie hat mir geschworen, mein Leben zu zerstören, wenn ich jemals ein Wort sage.”
Ihre Angst war so greifbar, dass ich sie durch das Telefon spüren konnte. Es war eine Angst, die sich über Jahre hinweg aufgebaut hatte, eine tiefe, lähmende Furcht vor Evas Rache. Die Drohungen Evas waren nicht nur Worte, sie waren Realität für Theresa gewesen.
„Ich habe eine Vertraulichkeitsvereinbarung unterschrieben”, fuhr sie fort, ihre Stimme war beinahe ein Flüstern. „Eine lebenslange. Sie sagte, wenn ich spreche, würde sie mich verklagen. Für hunderttausend Euro.”
Die Summe von 100.000 Euro war ein Schock. Es war eine astronomische Zahl für eine ehemalige Nanny, ein Betrag, der Theresas gesamte Existenz vernichten konnte. Es war Evas persönliche Guillotine, die über Theresas Kopf schwebte, um sie für immer zum Schweigen zu bringen. Die Kaltblütigkeit, mit der Eva diese Drohungen aussprach und in Verträge goss, war ein weiterer Beleg für ihre Skrupellosigkeit.
„Hunderttausend Euro?”, fragte ich, meine Stimme war ungläubig.
„Ja”, sagte sie. „Sie hat es mir immer wieder gesagt. ‚Denken Sie an die hunderttausend Euro, Theresa, wenn Ihnen jemals der Gedanke kommt, mit jemandem zu sprechen.’ Es war wie ein Mantra.”
Das war die persönliche Grausamkeit, die sich hinter Evas strahlendem Lächeln verbarg. Sie hatte Theresa nicht nur zum Schweigen gebracht, sondern sie mit einer lebenslangen finanziellen Bedrohung gefesselt. Theresa Schulz war nicht nur eine mögliche Zeugin, sie war ein weiteres Opfer, das in Evas Netz gefangen war.
„Frau Schulz”, sagte ich. „Bitte lassen Sie uns Ihnen helfen. Meine Anwältin, Frau Becker, ist sehr erfahren. Sie hat die Vertraulichkeitsvereinbarung noch nicht gesehen, aber wir sind der Meinung, dass solche Drohungen und solche Summen unter bestimmten Umständen nicht haltbar sind.”
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