Chapter 2: Die stille Drohung

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Am Weihnachtsabend wurde Claire von ihrem Bruder brutal angegriffen, nachdem sie erfahren hatte, dass ihre Eltern ihm heimlich das Haus ihrer Kindheit überschrieben hatten, was sie zu einem Kampf f...

Chapter 1: Das zerbrochene Erbe

Chapter 2: Die stille Drohung

Chapter 3: Großtante Hildas Schatten

Chapter 4: Ein Weg außerhalb des Gesetzes

Chapter 5: Die Wahrheit über Radovan

Chapter 6: Das verborgene Trauma

Chapter 7: Die erste Konfrontation

Chapter 8: Schweigen und Ausweichen

Chapter 9: Eine ungewöhnliche Einladung

Chapter 10: Der Schiedsspruch

Chapter 11: Eine gerechte Forderung

Chapter 12: Die Verhandlungen

Chapter 13: Der erzwungene Konsens

Chapter 14: Der Preis der Wahrheit

Chapter 15: Die ungewollte Bühne

Ich saß in meiner kleinen Stadtwohnung, die Hände immer noch leicht zitternd. Mein Blick fiel auf mein Spiegelbild in der Fensterscheibe, wo ein dunkler Schatten unter meinem Auge zu sehen war. Der Schmerz in meiner Nase war ein ständiger, pochender Begleiter.

Ich hatte in dieser Nacht kaum geschlafen, die Worte meiner Mutter und der Schlag von Travis hallten noch in meinen Ohren. Das Gefühl, vom eigenen Blut bedeckt auf dem kalten Boden gelegen zu haben, ließ mich immer wieder zusammenzucken. Es war ein tiefes, unerträgliches Brennen in meiner Brust, das nichts mit körperlichen Schmerzen zu tun hatte.

Ich wusste, dass ich mich nicht einfach verstecken konnte. Die Ungerechtigkeit war zu groß, der Verrat zu tief. Ich musste mit jemandem sprechen, jemanden finden, der mir glaubte.

Ich griff nach meinem Handy, das ich nur mit Mühe aus Mariannes Griff hatte retten können. Meine Finger schwebten über den Kontakten.

Wen konnte ich anrufen?

Meine erste Wahl war meine Cousine Lena, mit der ich als Kind immer eng gewesen war. Wir hatten uns in den letzten Jahren etwas auseinandergelebt, aber ich dachte, sie würde mich zumindest anhören. Ich wählte ihre Nummer.

Das Telefon klingelte lange, dann nahm Lena ab. Ihre Stimme klang angespannt, fast schon defensiv.

„Claire? Alles in Ordnung bei dir?“

Ich atmete tief durch. „Lena, nein, es ist nichts in Ordnung. Ich muss dir etwas erzählen.“

Ich begann, die Geschichte der Hausübertragung zu schildern, meine Stimme überschlug sich fast. Ich erzählte von der Entdeckung, dem Weihnachtsabend, dem Schlag von Travis und der Weigerung meiner Mutter, mir zu helfen. Lenas Schweigen am anderen Ende der Leitung war drückender als jede Unterbrechung.

„Claire, ich… ich weiß nicht, was ich dazu sagen soll.“

Ihre Worte waren wie ein Schlag. „Du… du glaubst mir doch, oder?“

„Es ist nur“, sagte Lena zögernd, „Mama hat angerufen. Sie meinte, du hättest Ärger gemacht, wärst aufgetaucht und hättest nur Streit gesucht.“

Mein Herz sank in meine Magengrube. „Ärger? Ich wurde angegriffen, Lena! Mein Bruder hat mir die Nase gebrochen!“

„Ich weiß nicht, Claire“, sagte Lena leise. „Mama meinte, du hättest gedrängelt und… dass du ja immer schon so eigensinnig warst.“

Der Anflug von Empathie, den ich erwartet hatte, blieb aus. Lena wiederholte nur, was sie gehört hatte. Es war, als spräche ich mit einer Wand.

„Du bist meine Cousine“, sagte ich, meine Stimme war nun scharf. „Du glaubst wirklich, dass ich das erfinde?“

„Ich muss los, Claire“, sagte sie abrupt. „Ich hab jetzt keine Zeit für Familiendramen. Ruf deine Eltern an und klärt das.“

Sie legte auf. Ich starrte ungläubig auf das Display meines Handys. Die kalte Ablehnung ihrer Worte stach tief.

Ich versuchte es bei meinem Onkel Stefan, einem Mann, der früher immer ein offenes Ohr für mich gehabt hatte. Er war der Bruder meines Vaters und schien mir immer vernünftiger. Doch auch er war reserviert.

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