Am Weihnachtsabend wurde Claire von ihrem Bruder brutal angegriffen, nachdem sie erfahren hatte, dass ihre Eltern ihm heimlich das Haus ihrer Kindheit überschrieben hatten, was sie zu einem Kampf f...
Einige Tage später erhielt ich einen Anruf von Hilda. Ihre Stimme war kurz angebunden, aber bestimmt.
„Es ist arrangiert“, sagte sie. „Du triffst Herrn Petrović. Er ist ein Mittelsmann für Radovan. Sei pünktlich. Sei respektvoll. Und sag ihm die Wahrheit.“
Sie nannte mir eine Adresse in einem unauffälligen Geschäftsviertel, abseits der belebten Hauptstraßen. Es war eine Adresse, die keine Aufmerksamkeit auf sich zog, ein Ort, an dem Geschäfte diskret abgewickelt wurden. Ich spürte eine Mischung aus Nervosität und Entschlossenheit. Dies war meine Chance, aber auch ein Sprung ins Ungewisse.
Am vereinbarten Tag fuhr ich mit Leo zur genannten Adresse. Er bestand darauf, mich zu begleiten, um moralische Unterstützung zu leisten, auch wenn er nicht mit hineinkommen würde. Er parkte das Auto in einiger Entfernung.
Ich stieg aus, meine Hände schwitzten leicht. Das Gebäude war ein grauer Betonklotz, unscheinbar und unpersönlich. Es gab keine Schilder, die auf ein Geschäft oder eine Organisation hindeuteten. Ich fand die angegebene Tür, eine schwere Metalltür ohne Griff von außen. Ein kleines Namensschild, in einfachen Lettern, trug den Namen: „Petrović, Beratung“.
Ich klopfte dreimal, wie Hilda es mir gesagt hatte. Die Tür öffnete sich nach wenigen Sekunden. Ein großer, stämmiger Mann mit ernstem Gesicht stand vor mir. Sein Blick war undurchdringlich.
„Claire Baumann?“, fragte er mit einer tiefen, ruhigen Stimme. Er sprach Deutsch mit einem leichten osteuropäischen Akzent.
„Ja, das bin ich“, antwortete ich.
Er nickte und trat beiseite. „Kommen Sie herein.“
Ich trat ein. Der Raum dahinter war spartanisch eingerichtet: ein Schreibtisch, zwei Stühle, ein Aktenschrank. Es gab keine Fenster. Die Atmosphäre war steril und sachlich. Herr Petrović war größer und imposanter, als ich erwartet hatte. Er trug einen dunklen Anzug, der perfekt saß, und seine Hände waren kräftig.
Er deutete auf einen der Stühle. „Setzen Sie sich.“
Ich setzte mich, meine Tasche fest auf meinem Schoß. Er setzte sich mir gegenüber, seine Hände ruhten auf dem Schreibtisch. Er sagte nichts, sondern wartete einfach, dass ich begann. Es war eine stille Aufforderung, die die Autorität seiner Position unterstrich.
Ich atmete tief durch und begann meine Geschichte zu erzählen. Ich sprach von der Bitte meiner Eltern, die Hausunterlagen zu bearbeiten, von der Entdeckung der Übertragung an Travis. Ich erzählte von dem Weihnachtsabend, dem Angriff und der gebrochenen Nase, dem konfiszierten Handy. Ich erwähnte die Gerüchte, die meine Familie verbreitet hatte, und die Isolation, die ich seitdem erfuhr.
Herr Petrović hörte mir aufmerksam zu, ohne eine Miene zu verziehen. Seine Augen verrieten nichts. Er unterbrach mich nicht ein einziges Mal.
Als ich fertig war, herrschte eine lange Stille. Nur das leise Surren der Klimaanlage war zu hören.
„Sie erwähnten eine ‚Schuld‘ an Herrn Radovan“, sagte Herr Petrović schließlich, seine Stimme war kühl. „Die Ihre Familie angeblich durch die Übertragung des Hauses an Ihren Bruder begleichen wollte.“
„Ja“, sagte ich. „Meine Mutter und Travis haben davon gesprochen.“
Herr Petrović lehnte sich zurück. „Ich bin der Mittelsmann für Herrn Radovan. Ich weiß über alle seine Geschäfte Bescheid. Es gibt keine solche Schuld.“
+ There are no comments
Add yours