Chapter 3: Die Spur des Fotos

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Industrieller Richter enthüllt düsteres Geheimnis: Ehefrau verschleierte den Tod ihres Stiefsohns für Kriegsverbrechen

Chapter 1: Die verlorene Jacke

Chapter 2: Vertrauen in Trümmern

Chapter 3: Die Spur des Fotos

Chapter 4: Elaras Schatten

Chapter 5: Das Netz der Lügen

Chapter 6: Klaus’ Reue

Chapter 7: Die Verlesung der Wahrheit (CLIMAX)

Chapter 8: Die Last der Vergebung

Chapter 9: Ein langes später

Die Luft in meinem Büro war stickig, erfüllt vom Geruch alten Papiers und den unausgesprochenen Fragen der letzten Tage. Herr Schmidt saß mir gegenüber, sein Blick konzentriert, als er Thomas’ alte Schulsachen durchsah. Nach der turbulenten Auseinandersetzung in der Gaststätte und Helgas perfidem Gaslighting hatte ich das Gefühl gehabt, ich würde den Verstand verlieren. Doch die Entdeckung der Jacke und Klaus’ Aussage hatten einen Riss in Helgas Lügengebäude geschlagen. Nun mussten wir weitere Steine herausbrechen.

„Ich habe noch einmal alles durchgesehen, Werner“, sagte Herr Schmidt, seine Stimme war gedämpft.

„Alte Hefte, Bücher, Briefe… aber nichts Konkretes. Nur der übliche Kram eines jungen Mannes.“

Ich nickte, meine Hoffnung sank. Ich hatte gehofft, Thomas hätte etwas hinterlassen, das über seine jugendlichen Träume hinausging, etwas, das meine quälenden Zweifel bestätigte.

„Er war doch so idealistisch“, sagte ich, mehr zu mir selbst.

„Er wollte die Welt verbessern. Er hat immer an das Gute geglaubt.“

Ich erinnerte mich an Thomas’ leuchtende Augen, wenn er über Gerechtigkeit sprach, über die Notwendigkeit, das Richtige zu tun, besonders in den chaotischen Nachkriegsjahren. Er war so anders als die pragmatische, oft skrupellose Welt, in der ich und Helga lebten, in der es ums Überleben und Wiederaufbau ging.

Herr Schmidt blätterte in einem dicken, abgewetzten Buch, das aussah wie ein altes Lehrbuch.

„Warten Sie“, sagte er plötzlich.

„Was ist das?“

Er zog eine lose, vergilbte Seite aus dem Buch, die in einem verrosteten Notizbuch versteckt gewesen war, das wiederum zwischen den Seiten des Lehrbuchs klemmte. Es war kein Brief, keine Notiz. Es war ein kleines, unscharfes Schwarz-Weiß-Foto, das ich noch nie zuvor gesehen hatte. Darauf war Thomas zu sehen, sein Gesicht jung und ernst, und im Hintergrund…

Mein Atem stockte.

Im Hintergrund des Fotos stand eine heruntergekommene, imposante Fabrikhalle, deren Fenster zerbrochen und deren Mauern von Efeu überwuchert waren. Das Dach war teilweise eingestürzt, aber die markante Form der Schornsteine und die industrielle Architektur waren unverkennbar. Ich kannte dieses Gebäude.

„Die alte ‚Wirtschafts-Union‘“, flüsterte ich, mein Blick war auf das Foto fixiert.

„Diese Fabrik…“

Herr Schmidt blickte mich fragend an.

„Sie kennen sie?“

Ich nickte langsam, ein kalter Schauer lief mir über den Rücken. Die „Wirtschafts-Union“ war ein Name, der in meiner Erinnerung einen schmerzhaften Widerhall fand. Es war eine jener Firmen, die in der Nachkriegszeit für ihre undurchsichtigen Geschäfte berüchtigt waren. Gerüchte über Schwarzmarkt, gestohlenes Eigentum, kollaborierende Geschäftspartner, die im Chaos der Nachkriegsjahre zu Reichtum gekommen waren, hafteten an ihr wie Schmutz.

Und ich wusste, dass Helga enge Verbindungen zu diesem Ort gehabt hatte. Vor meiner Zeit, aber immer wieder hatte sie sich in meiner Gegenwart vage über „harte Zeiten“ und „notwendige Opfer“ ausgelassen, wenn der Name fiel. Sie hatte immer eine gewisse Abneigung gezeigt, über diese Periode zu sprechen, aber gleichzeitig hatte sie subtil angedeutet, dass diese „Geschäfte“ ihr geholfen hatten, die Grundlagen für ihren späteren Wohlstand zu legen.

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