Industrieller Richter enthüllt düsteres Geheimnis: Ehefrau verschleierte den Tod ihres Stiefsohns für Kriegsverbrechen
Die Vernehmung von Helga Richter fand in einem kargen Raum im Polizeipräsidium statt. Hauptkommissar Brenner saß ihr gegenüber, seine Haltung war unbewegt, aber seine Augen fixierten sie mit einer Intensität, die selbst Helga nicht ignorieren konnte. Herr Schmidt und ich saßen etwas abseits, Beobachter in diesem theatralischen Drama, dessen Szenen Helga selbst geschrieben hatte. Helga trug ein sorgfältig ausgewähltes Kleid, das ihre vermeintliche Unschuld unterstreichen sollte, ihre Haare waren perfekt frisiert. Doch die Makellosigkeit ihrer Erscheinung konnte die wachsende Anspannung in ihren Augen nicht verbergen.
Brenner begann ohne Umschweife.
„Frau Richter, wir haben neue Erkenntnisse im Fall Ihres Stiefsohnes, Thomas Richter. Wir haben eine Zeugin, Elara Weber.“
Helgas Gesicht zuckte kurz. Ein kleiner, fast unmerklicher Riss in ihrer Fassade.
„Elara? Meine ehemalige Sekretärin? Was hat sie denn zu sagen? Sie war eine sehr… sensible Person. Immer ein bisschen ängstlich.“
Ein Versuch, Elaras Glaubwürdigkeit zu untergraben, bevor sie überhaupt richtig ins Spiel kam. Brenner ließ sich nicht beirren.
„Frau Weber hat detailliert über Ihre geheime Buchführung während der Nachkriegszeit ausgesagt. Über Ihre Schwarzmarktgeschäfte und dubiose Transaktionen.“
Helga lachte gezwungen, ein kurzes, harsches Geräusch.
„Schwarzmarkt? Herr Kommissar, die Nachkriegszeit war für uns alle hart. Jeder hat versucht, sich über Wasser zu halten. Ich habe nur getan, was notwendig war, um meine Familie zu ernähren. Und Thomas… er war ja nicht mein leiblicher Sohn, aber ich habe ihn geliebt. Ich wollte ihn beschützen.“
„Frau Weber hat auch ausgesagt, dass Thomas diese Unterlagen entdeckt hat“, fuhr Brenner fort, seine Stimme war kühl.
„Und dass er Sie damit konfrontiert hat. Und dass er drohte, die Öffentlichkeit zu informieren, sogar einen Journalisten kontaktieren wollte.“
Helgas Lächeln erstarrte. Ihr Blick huschte zu mir, eine Mischung aus Verzweiflung und blankem Hass.
„Das ist eine maßlose Übertreibung! Thomas war ein naiver junger Mann. Er verstand die Notwendigkeiten dieser Zeit nicht. Er war leicht manipulierbar. Ein Journalist? Das war jugendlicher Übermut, nichts weiter! Ich habe versucht, ihn zu vernunft gebracht. Zum Schutz unserer Familie.“
Sie verschränkte die Arme.
„Und diese Jacke, Frau Richter“, sagte Brenner.
„Die Jacke, die Sie Werner als ‚verloren‘ gemeldet haben, aber Klaus als ‚Glücksbringer‘ gegeben haben. Warum diese Diskrepanz?“
Helga zögerte.
„Ich habe mich geirrt. Ich hatte so viel um die Ohren. Und Klaus hat Thomas so verehrt. Ich dachte, es wäre eine schöne Geste, ihm etwas von Thomas zu geben. Es war kein Geheimnis.“
„Es war ein Geheimnis für meinen Mandanten“, warf Herr Schmidt ruhig ein.
„Und nun zum Unfallort“, sagte Brenner, ohne Helgas Einwand zu beachten.
Er legte das Foto von Thomas vor der alten „Wirtschafts-Union“-Fabrik auf den Tisch.
„Dieses Foto wurde kurz vor Thomas’ Tod aufgenommen. Es zeigt ihn im Industriegebiet, weit entfernt von der Brücke am Rhein, wo er angeblich verunglückt sein soll. Wie erklären Sie das?“
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