Industrieller Richter enthüllt düsteres Geheimnis: Ehefrau verschleierte den Tod ihres Stiefsohns für Kriegsverbrechen
Einige Tage später saß ich erneut in Herrn Schmidts Büro, die Spannung im Raum war fast unerträglich. Ein Zeitungsartikel über die Wiederaufnahme der Ermittlungen in Thomas’ Fall, von dem Schmidt diskret an die Presse lanciert hatte, hatte seine Wirkung nicht verfehlt. Das Telefon klingelte, und Schmidt hob ab. Seine Miene, die sonst stets ruhig und gefasst war, veränderte sich mit jedem Satz, den er hörte. Seine Augen, die mich von Zeit zu Zeit fixierten, weiteten sich.
„Werner“, sagte er schließlich, als er den Hörer niederlegte, seine Stimme war erfüllt von einer Mischung aus Unglauben und Dringlichkeit.
„Wir haben eine Zeugin. Eine ehemalige Sekretärin von Helga Richter. Elara Weber.“
Mein Herz setzte einen Schlag aus. Eine Sekretärin. Jemand, der Helga aus der Nähe kannte, der Zeuge ihrer Geschäfte war. Jemand, der jetzt bereit war zu sprechen.
„Sie kommt heute Nachmittag vorbei“, fuhr Schmidt fort.
„Sie sagt, sie kann nicht länger schweigen. Sie hat… wichtige Informationen.“
Die Stunden bis zu Elaras Ankunft zogen sich wie Kaugummi. Ich saß da, meine Hände fest auf den Knien, die Gedanken rasten. Was wusste sie? Wie tief waren Helgas Verstrickungen wirklich?
Als Elara Weber das Büro betrat, war sie ein Bild der Nervosität. Eine Frau mittleren Alters, ihre Kleidung war schlicht, ihre Haltung gebückt. Ihre Augen huschten ängstlich durch den Raum, bevor sie sich auf Herrn Schmidt und dann auf mich richteten. Ich konnte die Angst in ihr sehen, die Bürde, die sie jahrelang getragen hatte.
„Herr Schmidt“, sagte sie, ihre Stimme war kaum mehr als ein Flüstern.
„Danke, dass Sie mich empfangen. Es ist… ich weiß nicht, wo ich anfangen soll.“
Schmidt nickte beruhigend.
„Frau Weber, nehmen Sie Platz. Erzählen Sie uns, was Sie wissen. Alles, was Sie wissen.“
Elara setzte sich zögernd. Sie atmete tief ein, als sammelte sie all ihren Mut.
„Ich war Helgas Sekretärin… von 1946 bis 1952. Direkt nach dem Krieg, wissen Sie. Sie war damals… sie war anders. Nicht die Frau, die sie heute zu sein scheint.“
Sie schluckte.
„Sie hat damals Geschäfte gemacht. Viele Geschäfte. Nicht immer… legal. Schwarzmarkt. Gestohlenes Eigentum, das als ‚Kriegsbeute‘ getarnt wurde. Beziehungen zu Leuten, die… nun ja, nicht unbedingt das Gesetz auf ihrer Seite hatten.“
Ich spürte, wie sich mein Blutdruck erhöhte. Das war es. Das war der Dreck, den Helga so krampfhaft verborgen hielt.
„Ich habe ihre Buchführung gemacht“, fuhr Elara fort, ihre Stimme wurde etwas fester.
„Ihre geheime Buchführung. Für die offiziellen Bücher gab es andere Zahlen. Aber die echten… die waren bei mir. Ich musste alles festhalten. Lieferungen von… nun ja, seltenen Gütern. Kontakte zu fragwürdigen Militärbeamten, die Augen zudrückten. Ich habe es gehasst. Aber ich brauchte die Arbeit. Ich hatte keine andere Wahl.“
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