Lenas Stiefvater beschuldigte sie des Diebstahls auf der Hochzeit und schlug ihre Mutter — er wusste nicht, dass ihre 8-jährige Nichte alles sah und die Kameras kannte
Moritz konnte die Gewissheit, die er durch die Vertragsklausel gewonnen hatte, kaum für sich behalten. Doch er wusste, dass er mehr brauchte als nur ein Stück Papier. Er musste Benedikts Lügen entlarven, bis ins kleinste Detail. Er wollte nicht nur die Prügel bestrafen, sondern auch die vorausgehende, hinterhältige Anschuldigung gegen Lena.
Er begann, die Details des Hochzeitstages minutiös zu rekapitulieren. Er sprach mit Gästen, die Anja und Lena noch immer wohlgesonnen waren, aber nicht offen gegen Benedikt auftreten wollten. Er stellte beiläufig Fragen nach dem Ablauf des Tages, nach den Bewegungen der Leute.
„Weißt du noch, wo Benedikt war, als er sein Handy vermisste?“, fragte er Tante Sabine bei einem unschuldigen Kaffee.
Tante Sabine überlegte. „Oh, er war überall und nirgends. Hat ganz hektisch gesucht. Erst in seiner Tasche, dann am Tisch.“
Moritz notierte alles. Er erstellte eine Art Zeitstrahl, markierte, wo Benedikt angeblich war und wann er nach dem Handy suchte. Benedikt hatte selbst bei der Polizei eine Aussage gemacht, die Moritz nun aus dem Gedächtnis protokollierte. Darin hatte Benedikt einen Zeitraum von etwa fünfzehn Minuten genannt, in dem er alleine im Garten nach dem Handy gesucht haben wollte, kurz bevor er es in Lenas Tasche „fand“.
Moritz überprüfte diese Information. Er erinnerte sich daran, dass er selbst in diesem Zeitraum kurz vor dem großen Rosenbeet im Garten gewesen war. Er hatte Benedikt dort aber nicht gesehen. Das war ihm damals nicht aufgefallen, aber jetzt war es ein fehlendes Puzzlestück.
Er fragte andere Gäste, die sich ebenfalls im Garten aufgehalten hatten. „Habt ihr Benedikt gesehen, als er sein Handy gesucht hat? Ich meine, kurz bevor der Kuchen angeschnitten wurde.“
Ein Cousin erinnerte sich: „Ich glaube, er war kurz in der Küche. Oder am Buffet. Ich sah ihn zumindest nicht im Garten.“
Eine weitere Tante sagte: „Im Garten? Nein, da war doch keiner außer den Kindern und ein paar Rauchern. Er kam doch erst später aus dem Haus, als er so wütend war.“
Moritz spürte, wie sich ein Knoten in seinem Magen zusammenzog. Die Aussagen passten nicht. Benedikt hatte eindeutig gelogen, was seinen Aufenthaltsort während der vermeintlichen Suche betraf.
Er hatte sich im Garten aufgehalten, das war klar. Aber er hatte dort nicht gesucht. Er hatte dort etwas vorbereitet.
Der Verdacht, der sich bereits leise in Moritz’ Gedanken eingenistet hatte, wuchs zu einer kalten, harten Gewissheit. Benedikt hatte den „Verlust“ des Handys und dessen „Auffinden“ in Lenas Tasche inszeniert.
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