Die beunruhigende Erinnerung an Markus’ geübte Unterschrift ließ mich die ganze Nacht nicht schlafen. Am nächsten Morgen wachte ich mit einem dröhnenden Kopf auf, aber auch mit einer klaren Entschlossenheit. Ich musste handeln. Jetzt.
Markus und Elias kündigten an, dass sie für ein angebliches Geschäftstreffen außer Haus sein würden. Sie würden für den größten Teil des Tages weg sein. Das war meine Chance.
Ich wartete geduldig. Frau Schmidt verließ das Haus pünktlich um zehn Uhr für ihre Einkäufe. Das Haus war endlich leer.
Meine Hände zitterten, als ich mich auf den Weg zu Elias’ Zimmer machte. Jeder Schritt auf der Treppe hallte in der Stille wider.
Ich stand vor Elias’ Tür. Mein Herz pochte wie wild. Ich drückte die Klinke. Die Tür war nicht abgeschlossen.
Ich trat ein.
Das Zimmer war wie immer. Unordentlich, stickig. Der Koffer stand auf dem Stuhl, diesmal jedoch fest verschlossen.
Mein Blick fiel auf das kleine, billige Schloss, das den Koffer sicherte. Es war kein hochwertiges Schloss. Es war eher ein symbolischer Schutz.
Ich brauchte ein Werkzeug. Etwas, womit ich das Schloss öffnen konnte, ohne offensichtliche Spuren zu hinterlassen.
Ich dachte an die kleine Haarklammer, die ich oft benutzte. Ich trug sie immer in meiner Haartasche.
Ich holte sie hervor. Meine Finger waren nass vor Schweiß.
Ich kniete mich vor den Koffer. Ich steckte die Haarklammer vorsichtig in das Schloss.
Es war eine nervenaufreibende Prozedur. Ich hatte so etwas noch nie getan.
Ich versuchte, die Mechanik des Schlosses zu ertasten. Ein leises Klicken. Dann noch eins.
Meine Konzentration war messerscharf. Jeder kleinste Ton, jede Bewegung schien über mein Schicksal zu entscheiden.
Nach einigen Minuten, die sich wie eine Ewigkeit anfühlten, hörte ich ein leises, aber deutliches “Klack!”. Das Schloss sprang auf.
Ich hielt den Atem an. Ich hatte es geschafft.
Ich klappte den Deckel des Koffers auf. Mein Blick fiel sofort auf die oberste Schicht alter Kleider. Ich schob sie vorsichtig beiseite.
Darunter lagen die Mahnungen, die ich bereits gesehen hatte. Und weitere Umschläge.
Ich begann, die Dokumente vorsichtig durchzusehen. Jedes Papier fühlte sich an wie ein heißes Eisen in meinen Händen.
Ich suchte nach allem, was die “Rheinblick Immobilien GmbH” betraf. Nach allem, was mein Haus betraf.
Ich fand einen Stapel lose Blätter. Es waren Geschäftskorrespondenzen, aber sie waren verschlüsselt, voller Abkürzungen und undurchsichtiger Begriffe.
Ich legte sie beiseite. Ich brauchte etwas Konkretes.
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