Die Stunden nach Lenas Anruf vergingen wie in Zeitlupe. Jedes Geräusch im Haus ließ mich zusammenzucken. Ich wartete auf die Rückkehr von Markus und Elias, meine Nerven lagen blank. Als ihr Auto endlich die Einfahrt hochfuhr, spürte ich, wie mein Adrenalinspiegel in die Höhe schoss.
Sie betraten das Haus, lachend und ausgelassen, als wäre nichts geschehen. Elias hielt eine Tüte mit Süßigkeiten für Leo in der Hand. Markus trug seine Aktentasche, seine Miene war entspannt.
Ich stand im Wohnzimmer, die gefälschte Vollmacht und Markus’ handschriftliche Notiz fest in meiner Hand. Meine Stimme zitterte vor Wut und Enttäuschung, als ich sie ansprach.
“Wir müssen reden”, sagte ich. Meine Stimme war überraschend fest.
Sie blieben stehen. Ihr Lachen verstummte. Ihre Blicke fielen auf die Papiere in meiner Hand.
Elias’ Gesicht wurde sofort ernst. Markus’ Augen weiteten sich vor Schock.
“Was ist das, Clara?”, fragte Markus, seine Stimme war dünn.
Ich hielt ihm die gefälschte Vollmacht vor die Nase. Meine Hand zitterte leicht.
“Das ist eine gefälschte Vollmacht”, sagte ich. “Meine Unterschrift. Gefälscht.”
Elias reagierte zuerst. Sein Gesicht verzog sich zu einer Maske der Wut.
“Woher hast du das?”, zischte er. Er machte einen Schritt auf mich zu, seine Augen waren voller Zorn.
“Das spielt keine Rolle”, entgegnete ich. Ich wich nicht zurück. “Was zählt, ist, dass ihr versucht habt, mein Haus zu stehlen.”
Markus trat einen Schritt zurück. Er war blass im Gesicht.
“Das ist doch Unsinn, Clara”, stammelte er. “Du bist hysterisch. Das ist ein Missverständnis.”
Ich lachte. Ein trockenes, hohles Geräusch.
“Ein Missverständnis?”, fragte ich. Ich hielt ihm Markus’ handschriftliche Notiz vor die Nase. “Was ist damit, Markus? ‘Ich habe die Unterschrift geübt, es sollte diesmal klappen. Halte dich an den Plan. Unsere Zukunft hängt davon ab.'”
Markus’ Augen weiteten sich noch mehr. Er starrte auf den Zettel, als wäre er eine Giftschlange.
Ein tiefes Schweigen legte sich über das Wohnzimmer. Die Brüder waren wie erstarrt.
Dann explodierte Elias.
“Du Goldgräberin!”, schrie er. “Du willst uns zerstören! Du bist nichts als eine gierige Schlampe, die Markus’ Familie ruinieren will!”
Seine Worte trafen mich wie physische Schläge. Die billige Anschuldigung.
“Ich bin keine Goldgräberin, Elias”, sagte ich. “Ich habe mir dieses Haus hart erarbeitet. Und ihr versucht, es mir zu nehmen!”
Markus fand seine Stimme wieder. Er schrie jetzt auch.
“Clara, du bist verrückt geworden!”, brüllte er. “Du bist paranoid nach deiner Insolvenz! Du siehst überall Verschwörungen!”
Er versuchte, mir die Papiere aus der Hand zu reißen. Seine Finger packten meinen Arm.
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