Chapter 2: Der versteckte Hinweis

#content-1

Bei Seeblicks Sommerfest demütigte ihr Mann Charlotte öffentlich – doch sein Fehler war, ihre Stärke zu unterschätzen

Chapter 1: Die rote Antwort

Chapter 2: Der versteckte Hinweis

Chapter 3: Das leere Versprechen

Chapter 4: Sabines Entdeckung

Chapter 5: Die Drohung

Chapter 6: Leos Angst

Chapter 7: Die alte Freundschaft

Chapter 8: Die Sabotage

Chapter 9: Die Suche

Chapter 10: Vanessas Rolle

Chapter 11: Leos Last

Chapter 12: Die Wahrheit kommt ans Licht

Chapter 13: Der stille Verrat

Chapter 14: Die leere Wohnung

Chapter 15: Leos Schweigen

Chapter 16: Ein stiller Morgen

Die Stille in meiner kleinen Wohnung drückte schwerer als sonst. Seit Ethans öffentlicher Demütigung auf dem Sommerfest hatte sich Seeblick verändert; eine eisige Distanz legte sich über Gespräche, Blicke wichen aus. Ich spürte, wie sich der Kreis um mich schloss, wie Ethans Lügen über meine angebliche Instabilität wie ein langsam wirkendes Gift ihre Arbeit taten. Die Stornierung des Cateringauftrags durch Herrn Schneider war nur der Anfang gewesen, ein kalter Wind, der mir das wahre Ausmaß seiner Manipulation vor Augen führte.

Eines Abends, als die Dunkelheit die kleinen Gassen von Seeblick umschloss, fand ich eine hastig gezeichnete Skizze auf meinem Nachttisch.

Sie lag dort, als wäre sie zufällig abgelegt worden, doch meine Hände zitterten, als ich sie aufhob. Es war eine kindliche Zeichnung von Leos Hand, mit groben Linien, die Ethans Arbeitszimmer darstellten. Doch ein Detail sprang ins Auge: Eine kleine, krakelige Markierung hinter einem Bücherregal, wie ein kaum sichtbarer Wegweiser.

Leo hatte sich in den letzten Tagen kaum von meiner Seite gewichen, seine Augen huschten ängstlich zwischen mir und der Tür hin und her. Ich wusste, dass er etwas gesehen hatte, etwas gespürt, aber er war zu verängstigt gewesen, um es auszusprechen. Diese Skizze war sein stummer Hilferuf, ein Hinweis, der tief in meinem Inneren einen Schalter umlegte. Es war eine zärtliche, verzweifelte Geste, die mir das Herz zuschnürte und mir gleichzeitig die nötige Entschlossenheit gab. Ich erinnerte mich an die Nacht des Festes, als ich mir schwor, dass Ethan seinen Fehler bereuen würde. Leos Skizze war der Beweis, dass ich auf dem richtigen Weg war.

Ich wartete, bis Leo fest schlief, und schlich mich dann in Ethans Arbeitszimmer. Der Raum roch noch immer nach seinem teuren Aftershave und alten Büchern, eine vertraute Mischung, die nun bitter in meiner Kehle schmeckte. Meine Finger strichen über die Lederbände in dem hohen Bücherregal, genau an der Stelle, die Leo markiert hatte.

Es war eine fast unsichtbare Fuge zwischen zwei vergilbten Lexika, die sich mit leichtem Druck nach innen schieben ließ. Dahinter, in der kühlen, dunklen Nische, lag etwas Verstecktes. Mein Atem stockte, als ich meine Hand hineinschob und ein kleines, ledergebundenes Buch ertastete. Es war alt, das Leder war abgegriffen, und die Kanten waren vom Gebrauch abgerieben.

Ich zog es heraus, das Gewicht überraschte mich. Es war ein Kassenbuch, mit einem verblassten goldgeprägten Datum auf der Vorderseite, das fast zehn Jahre zurücklag. Ich spürte, wie mein Herz wild pochte, als ich es aufschlug. Die ersten Seiten enthielten saubere, sorgfältige Einträge, die anfangs harmlos aussahen.

Doch dann wurde die Schrift flüchtiger, die Zahlen größer.

Ich blätterte weiter, meine Augen jagten über die Seiten.

Plötzlich stolperte mein Blick über einen Eintrag: „Dinner V. Kroll, Restaurant Krone – 180 €“. Direkt darunter stand: „Verwaltungskosten Seeblick-Entwicklungsfonds – 350 €“. Ein kalter Schauer lief mir über den Rücken. Vanessa Kroll. Ihre Initialen standen dort, neben einem Betrag, der das Ausmaß ihrer gemeinsamen Ausschweifungen deutlich machte.

Aber der Eintrag zum Seeblick-Entwicklungsfonds war der eigentliche Schock. Der Fonds war ein Herzensprojekt der Gemeinde, das Gelder für die Sanierung des Altenheims sammelte. Es war unantastbar.

You May Also Like

More From Author

+ There are no comments

Add yours