Chapter 7: Die alte Freundschaft

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Bei Seeblicks Sommerfest demütigte ihr Mann Charlotte öffentlich – doch sein Fehler war, ihre Stärke zu unterschätzen

Chapter 1: Die rote Antwort

Chapter 2: Der versteckte Hinweis

Chapter 3: Das leere Versprechen

Chapter 4: Sabines Entdeckung

Chapter 5: Die Drohung

Chapter 6: Leos Angst

Chapter 7: Die alte Freundschaft

Chapter 8: Die Sabotage

Chapter 9: Die Suche

Chapter 10: Vanessas Rolle

Chapter 11: Leos Last

Chapter 12: Die Wahrheit kommt ans Licht

Chapter 13: Der stille Verrat

Chapter 14: Die leere Wohnung

Chapter 15: Leos Schweigen

Chapter 16: Ein stiller Morgen

Ethans Drohung und Leos Angst bohrten sich tief in mein Herz. Ich wusste, dass ich Unterstützung brauchte, nicht nur Sabines praktische Hilfe, sondern auch weisen Rat. Mir kam Herr Gruber in den Sinn, ein alter Freund meines verstorbenen Vaters und ehemaliger Bürgermeister von Seeblick. Er war immer ein Mann von Integrität und klarem Verstand gewesen, und ich vertraute ihm mehr als jedem anderen in dieser Gemeinde.

Ich rief ihn an, meine Stimme zitterte kaum merklich. Er stimmte einem Treffen sofort zu, seine Stimme klang besorgt, als er meine Bitte um Diskretion hörte. Wir verabredeten uns in seinem Gartenhaus, einem kleinen, gemütlichen Rückzugsort, umgeben von Rosensträuchern.

Als ich ankam, saß Herr Gruber schon an einem rustikalen Holztisch, eine Tasse Kräutertee dampfte vor ihm. Seine grauen Haare waren sorgfältig gekämmt, und seine Augen musterten mich mit einer Güte, die ich lange nicht mehr gespürt hatte.

„Charlotte, mein liebes Kind“, sagte er sanft. „Du siehst blass aus. Was bedrückt dich so sehr?“

Ich zog das Kassenbuch aus meiner Tasche und legte es vor ihn auf den Tisch. „Es geht um Ethan, Herr Gruber. Und um etwas, das ich kaum glauben kann.“

Er nahm das Buch und blätterte durch die Seiten, seine Stirn legte sich in Falten. Sein Blick verweilte auf den Namen Vanessa Kroll und den verdächtigen „Verwaltungskosten“ des Seeblick-Entwicklungsfonds. Ich erzählte ihm, was ich entdeckt hatte, von den abgezweigten Geldern, von Vanessas Versuchen, meine Boutique zu übernehmen, und von Ethans Drohung, mir Leo wegzunehmen.

Herr Grubers Gesicht wurde mit jedem Wort ernster. Er hörte aufmerksam zu, unterbrach mich nicht, sondern nickte nur gelegentlich. Als ich geendet hatte, schloss er das Kassenbuch langsam und legte es behutsam auf den Tisch zurück. Seine Hände, die das Buch hielten, zitterten leicht.

„Der Seeblick-Entwicklungsfonds“, sagte er leise, seine Stimme war voller Traurigkeit. „Dein Großvater, er hat ihn ins Leben gerufen.“

Ich nickte. „Das habe ich vermutet. Mein Vater hat oft davon erzählt, wie wichtig das Altenheim für meinen Großvater war.“

Herr Gruber seufzte tief. „Ja. Es war sein Herzensprojekt. Er wollte sicherstellen, dass die älteren Bürger von Seeblick in Würde leben konnten, besonders diejenigen, die nicht viel hatten. Er hat viel von seinem eigenen Vermögen hineingesteckt und die ganze Gemeinde mobilisiert.“

Er blickte auf das Kassenbuch. „Nach dem Tod deines Vaters gab es eine lange Diskussion. Wer sollte den Fonds verwalten? Dein Vater hatte das immer mit großer Sorgfalt getan. Ethan… Ethan war damals noch ein junger Mann, aber er hatte einen guten Ruf. Er war charmant, eloquent, und er versprach, das Erbe deines Großvaters in Ehren zu halten.“

Ein bitteres Lächeln spielte um seine Lippen. „Er hat alle überzeugt. Mich auch. Wir haben ihm vertraut, Charlotte. Er wurde einstimmig zum Verwalter des Fonds bestimmt.“

Die Worte trafen mich wie ein eiskalter Schlag. Ethan war nicht nur Verwalter geworden, weil er geschickt war. Er hatte diese Position erhalten, weil er das Vertrauen meiner Familie genossen hatte. Er hatte die Rolle meines Vaters übernommen, sollte dessen Vermächtnis fortführen. Es war ein tief verwurzelter Verrat, der sich nicht nur gegen mich, sondern gegen die gesamte Familiengeschichte richtete. Diese Position war nicht einfach eine Rolle, es war ein Geschenk der Familie, ein Zeichen des Vertrauens.

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