Chapter 9: Die Suche

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Bei Seeblicks Sommerfest demütigte ihr Mann Charlotte öffentlich – doch sein Fehler war, ihre Stärke zu unterschätzen

Chapter 1: Die rote Antwort

Chapter 2: Der versteckte Hinweis

Chapter 3: Das leere Versprechen

Chapter 4: Sabines Entdeckung

Chapter 5: Die Drohung

Chapter 6: Leos Angst

Chapter 7: Die alte Freundschaft

Chapter 8: Die Sabotage

Chapter 9: Die Suche

Chapter 10: Vanessas Rolle

Chapter 11: Leos Last

Chapter 12: Die Wahrheit kommt ans Licht

Chapter 13: Der stille Verrat

Chapter 14: Die leere Wohnung

Chapter 15: Leos Schweigen

Chapter 16: Ein stiller Morgen

Ethans dreiste Offensive gegen mein Familiengrundstück war der letzte Tropfen. Ich konnte nicht länger abwarten. Noch am selben Abend rief ich Sabine an und erzählte ihr von der Gemeinderatssitzung und Ethans perfidem Plan. Ihre Stimme am Telefon war voller Wut.

„Das ist zu viel, Charlotte! Das ist ein direkter Angriff auf dich und deine Familie!“, rief sie.

Ich bat sie, sofort zu mir zu kommen. Wir mussten tiefer graben, bevor Ethan seinen Plan in die Tat umsetzen konnte. Er würde nicht erwarten, dass ich mich so schnell wieder erholen würde.

Als Sabine ankam, stand mein Entschluss fest. „Wir müssen alle seine Unterlagen durchsuchen, Sabine“, sagte ich. „Alles, was er in seinem Arbeitszimmer hat. Er ist noch auf einer Geschäftsreise, wir haben Zeit.“

Sabine zögerte einen Moment, dann nickte sie entschlossen. „Gut. Was immer wir finden, es muss schlagkräftiger sein als ein altes Kassenbuch.“

Wir schlichen uns in Ethans Arbeitszimmer. Die vertrauten Gerüche, die sonst nach ihm rochen, wirkten nun wie eine Falle. Systematisch begannen wir, Schränke, Schubladen und Aktenordner zu durchsuchen. Es war eine mühsame Arbeit, die sich durch Berge von Rechnungen, Verträgen und Bankauszügen zog. Jeder Ordner war sorgfältig beschriftet, alles schien in perfekter Ordnung zu sein – eine Ordnung, die Ethans wahre Absichten verschleiern sollte.

Ich spürte eine Mischung aus Ekel und Adrenalin. Durch Ethans persönliche Dinge zu wühlen, fühlte sich wie ein Einbruch in seine intimste Gedankenwelt an, doch ich wusste, es war notwendig. In einem verschlossenen Fach in seinem Schreibtisch fanden wir einen Stapel alter Kontoauszüge, die nicht zu seinen üblichen Geschäftskonten passten.

Sabine blätterte durch die Auszüge, ihre Augen huschten über die Zahlen. „Das ist seltsam“, murmelte sie. „Hier sind Überweisungen an verschiedene Namen, die ich nicht zuordnen kann. Und sie sind unregelmäßig, nicht wie normale Geschäftstransaktionen.“

Ich sah über ihre Schulter. Die Namen waren keine bekannten Unternehmen oder Personen aus Seeblick. Es waren unscheinbare Kürzel oder Nummern. Die Beträge variierten stark, von kleineren Summen im dreistelligen Bereich bis hin zu größeren im vierstelligen. Es war ein Muster, das auf etwas Komplexeres hindeutete.

Dann fand ich eine kleine Notiz, versteckt zwischen zwei alten Versicherungsdokumenten. Es war ein handgeschriebener Zettel, mit hastigen Kritzeleien, die ich kaum entziffern konnte. Dort standen kryptische Zahlen und ein Name: „Roth – G.S.“. Darunter eine Telefonnummer.

„Was ist das?“, fragte Sabine, als ich ihr den Zettel zeigte.

Ich schüttelte den Kopf. „Ich weiß es nicht. Aber es sieht nicht nach einem normalen Geschäftskontakt aus.“

Die Notizen und die verdächtigen Überweisungen wiesen auf eine externe Quelle hin, die Ethan mit immer mehr Geld versorgte, oder von der er Geld bekam. Es war klar, dass der Seeblick-Entwicklungsfonds nicht die einzige Quelle von Ethans Reichtum oder seinen Problemen war. Die Art, wie die Beträge verschoben wurden, deutete auf eine Art Verschleierung hin. Die kleinen, kaum lesbaren Kritzeleien, die er so achtlos hinterlassen hatte, waren ein Zeugnis seiner arroganten Überzeugung, niemals entdeckt zu werden. Diese fast schon vernachlässigten Hinweise waren ein direkter Einblick in seine nonchalante Grausamkeit.

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