Chapter 4: Sabines Entdeckung

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Bei Seeblicks Sommerfest demütigte ihr Mann Charlotte öffentlich – doch sein Fehler war, ihre Stärke zu unterschätzen

Chapter 1: Die rote Antwort

Chapter 2: Der versteckte Hinweis

Chapter 3: Das leere Versprechen

Chapter 4: Sabines Entdeckung

Chapter 5: Die Drohung

Chapter 6: Leos Angst

Chapter 7: Die alte Freundschaft

Chapter 8: Die Sabotage

Chapter 9: Die Suche

Chapter 10: Vanessas Rolle

Chapter 11: Leos Last

Chapter 12: Die Wahrheit kommt ans Licht

Chapter 13: Der stille Verrat

Chapter 14: Die leere Wohnung

Chapter 15: Leos Schweigen

Chapter 16: Ein stiller Morgen

Die Sonne schien hell auf mein Gesicht, als ich mich am nächsten Morgen mit Sabine im Café am Marktplatz traf, doch die Wärme erreichte mein Inneres nicht. Ich hatte das Kassenbuch in einer unscheinbaren Stofftasche dabei, sein Gewicht drückte auf meine Schulter wie eine schwere Last. Sabine war meine älteste Freundin, ihre bodenständige Art war oft mein Anker in stürmischen Zeiten.

„Du siehst aus, als hättest du Geister gesehen“, sagte Sabine und schob mir eine Tasse dampfenden Kaffee zu.

Ich schob die Tasche über den Tisch und zog das Kassenbuch hervor. „Es ist schlimmer als Geister, Sabine. Es ist Ethan.“

Sabine nahm das Buch vorsichtig in die Hand und blätterte durch die Seiten, ihre Miene wurde mit jedem Eintrag ernster. Die rosige Farbe wich aus ihrem Gesicht, als sie die wiederkehrenden Namen und Posten sah. Ihr Blick blieb an den Einträgen für Vanessa Kroll hängen, dann an den ominösen “Verwaltungskosten” des Seeblick-Entwicklungsfonds.

„Unfassbar“, flüsterte sie schließlich, ihre Stimme kaum hörbar.

„Er hat nicht nur mich betrogen, Sabine“, sagte ich, meine Stimme war rau. „Er hat die ganze Gemeinde betrogen. Unseren Großvater, die Alten in Seeblick.“

Sabine schlug das Buch mit einem dumpfen Geräusch zu. „Dieser Dreckskerl! Und diese Vanessa… ich habe schon geahnt, dass mit ihr etwas nicht stimmt. Ich kümmere mich darum.“ Sie strahlte eine Entschlossenheit aus, die mir ein wenig Trost spendete.

Sabine begann sofort, diskret in der Gemeinde nachzuforschen. Sie hatte einen unschlagbaren Draht zu den Menschen in Seeblick, ihre offene Art öffnete Türen, die mir verschlossen blieben. Sie sprach mit Bekannten in der Gemeindeverwaltung, mit Lieferanten, mit Frauen, die Vanessa bei ihren Einkäufen im Ort gesehen hatten. Sabine hatte ein Talent dafür, scheinbar harmlose Gespräche zu führen, die am Ende erstaunliche Informationen hervorbrachten.

Zwei Tage später stand Sabine mit ernster Miene vor meiner Tür. „Ich habe etwas herausgefunden, Charlotte. Etwas, das dir den Boden unter den Füßen wegziehen wird.“

Ich führte sie ins Wohnzimmer. Leo spielte leise in seinem Zimmer, seine kindliche Unschuld war in diesen Tagen ein schmerzhafter Kontrast zu der Dunkelheit, die mich umgab.

„Vanessa Kroll“, begann Sabine, „sie ist nicht nur Ethans Geliebte. Sie ist auch auf deinem Geschäft. Sie hat versucht, Anteile an deiner Boutique zu kaufen.“

Mein Atem stockte. „Meine Boutique? Aber warum? Ich habe doch nichts…“

„Angeblich, um sie ‚aufzuwerten‘“, sagte Sabine, ihre Stimme war voller Verachtung. „Sie hat einen Makler beauftragt, unter einem falschen Namen, versteht sich. Sie wollte deine Boutique ‚modernisieren‘, wie sie es nannte. In Wahrheit wollte sie die Kontrolle übernehmen, um dich finanziell ganz auszuschalten.“

Ein stechender Schmerz durchfuhr mich. Meine kleine Kunsthandwerk-Boutique war mein einziger Rückzugsort, mein Ort der Kreativität und Unabhängigkeit. Vanessa hatte nicht nur mein Zuhause und meine Familie zerstört, sie wollte mir auch das Letzte nehmen, was mir gehörte. Es war ein zutiefst persönlicher Angriff, ein Versuch, mich auszulöschen.

„Sie hat einem Lieferanten gesagt, dass sie das Geschäft bald umgestalten will, um ‚frischen Wind‘ hineinzubringen“, fuhr Sabine fort. „Es klang so, als würde sie bald die Schlüssel in der Hand halten. Sie hat sogar schon Angebote für neue Auslagen eingeholt.“

Die Vorstellung, Vanessa in meiner Boutique, meinem kleinen Reich, zu sehen, ließ mich vor Wut zittern. Sie wollte sich an meinem Leben festkrallen, meine Existenz auslöschen und sich dann in meinen Räumen breitmachen. Es war eine kalkulierte, eiskalte Grausamkeit, die über jede Affäre hinausging. Vanessa war keine naive Frau, die in die Arme eines Betrügers gefallen war. Sie war eine Komplizin, eine Strategin, die meinen Ruin plante.

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