Chapter 2: Die Legende vom Liebesbrunnen

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Der Regen trommelte gegen die Fensterscheibe von Tante Ingrids kleinem Cottage.

Ich fühlte mich taub, meine Gedanken waren ein einziges Durcheinander aus Schmerz und Verrat.

Die Verleumdungskampagne von Sophia und Maximilian hatte ihre Wirkung gezeigt; mein Telefon stand still.

Niemand wollte mehr mit dem „unberechenbaren“ Elias Richter Geschäfte machen.

Die Kälte in der kleinen Stube meiner Großtante war nicht nur der Witterung geschuldet; sie spiegelte meine innere Leere wider.

Tante Ingrid saß mir gegenüber, ihre faltigen Hände ruhten auf einer alten, bestickten Decke.

Ihr Blick war erfüllt von einer Traurigkeit, die ich nur zu gut kannte.

„Elias, mein Junge“, sagte sie leise, ihre Stimme knisterte wie altes Pergament.

„Du siehst aus, als hättest du die ganze Welt auf deinen Schultern.“

Ich nickte nur, unfähig, etwas zu erwidern.

Jeder Gedanke an die Geburtstagsfeier meines Vaters, an Sophias kalte Blicke, an Maximilians hämisches Grinsen, ließ mein Innerstes zusammenzucken.

Die Art, wie sie meinen Namen vor all diesen Menschen in den Schmutz gezogen hatten, war ein Schlag gewesen, von dem ich mich nicht erholt hatte.

„Deine Großmutter Helene hätte das nicht gewollt“, fuhr Tante Ingrid fort, ihre Augen fixierten mich.

„Sie hätte gewollt, dass du Antworten findest, nicht nur Schmerz.“

Ich zuckte die Achseln.

„Antworten?

Ich habe meine Großmutter nur ehren wollen, indem ich ihre Unterlagen eingereicht habe.

Dafür wurde ich von meiner eigenen Familie verstoßen.“

Tante Ingrid schüttelte langsam den Kopf.

„Helene sah die Dinge immer anders als wir.

Sie hatte eine besondere Verbindung zu diesem Anwesen, weißt du.“

Ich hatte das schon oft gehört, aber nie wirklich verstanden.

Für mich war das Richter-Anwesen immer nur ein Symbol für den Familienreichtum gewesen, der nun in Gefahr war.

„Was meinst du?“, fragte ich, meine Stimme belegt.

Tante Ingrid seufzte tief.

„Es gibt da eine alte Legende, Elias.

Die Legende vom Liebesbrunnen.“

Mein Blick schweifte zu dem knisternden Kaminfeuer.

„Ein Liebesbrunnen?“

Sie nickte.

„Nicht irgendein Brunnen.

Es ist der alte Steinbrunnen im Rosengarten, direkt hinter dem alten Eichenbaum.“

Ich kannte den Brunnen.

Ein altes, bemoostes Gebilde, das ich als Kind für seine verwunschene Schönheit liebte, aber nie mit mehr als einem Stück alter Geschichte verband.

„Die Legende besagt“, begann Tante Ingrid, ihre Stimme nahm einen fast mystischen Klang an, „dass das wahre Wohl des Richter-Anwesens und des gesamten Geschlechts nicht von Gold oder Land abhängt.“

Sie machte eine dramatische Pause.

„Sondern von echten, aus wahrer Liebe geschlossenen Ehen.

Es hieß, wenn ein Richter aus reinem Herzen heiratet, würde der Brunnen das Anwesen mit Segen und Wohlstand füllen.“

Ich musste unwillkürlich lachen, ein bitteres, kurzes Geräusch.

„Das klingt wie aus einem Märchenbuch, Tante Ingrid.

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