Als der diplomatische Vater heimkehrte, fand er seine Familie im Schuppen, während seine Mutter und Schwester die Villa mit seinen €480.000 plünderten.
Die Tage danach verbrachte Elias mit einer fieberhaften Entschlossenheit, die ihm neue Kraft verlieh. Der Schuppen, einst ein Symbol ihrer Erniedrigung, wurde zu seinem persönlichen Ermittlungsgebiet.
Jeden Morgen, sobald das erste Licht durch die Ritzen drang, begann er seine Suche.
Er durchkämmte jeden Winkel, jeden Spalt, jede lose Holzplatte in dem baufälligen Gebäude.
Clara beobachtete ihn dabei mit müden Augen, zu erschöpft, um sich zu beteiligen oder gar Fragen zu stellen.
Sie saß oft auf der alten Kiste, wickelte ihre Arme um sich selbst, wie um die letzte Wärme zu bewahren.
Elias klopfte die mürben Holzbretter ab, untersuchte die morschen Fugen und schob alte, rostige Werkzeuge beiseite.
Die Hoffnung, etwas zu finden, das Adelheids Lügen entlarven könnte, trieb ihn an.
Er suchte nicht nach Geld oder Wertgegenständen; er suchte nach der Wahrheit.
Nach stundenlangem, frustrierendem Suchen, bei dem er nichts als Staub und Spinnweben fand, wollte Elias fast aufgeben.
Ein alter Holzstapel, den sie als provisorischen Tisch nutzten, schien besonders wackelig zu sein.
Elias stützte sich dagegen, als plötzlich ein oberes Brett nachgab.
Es gab ein leises Knarren, als das Holz nach innen kippte.
Dahinter offenbarte sich ein schmaler, dunkler Spalt.
Elias’ Herz begann sofort schneller zu schlagen.
Er steckte seine Hand in die Öffnung, seine Fingerspitzen berührten etwas Hartes und Kantiges.
Vorsichtig zog er es hervor.
Es war ein kleines, verstaubtes Buch, seine Seiten waren von Feuchtigkeit gewellt.
Der Einband war dunkelgrün, verblasst und schien uralt zu sein.
Elias wischte den Staub ab, seine Augen suchten nach einer Aufschrift.
In feiner, goldener Prägung las er: “Sparkasse Berlin – Sparbuch”.
Darunter, ebenfalls in eleganten Lettern, stand “Clara Hoffmann”.
Elias hielt den Atem an. Ein Sparbuch auf den Namen seiner Mutter!
Sein Vater hatte immer erwähnt, dass er ein separates Konto für Clara eingerichtet hatte.
Vielleicht war dies der Beweis, den er brauchte.
Mit zitternden Fingern öffnete er das Buch.
Die ersten Seiten waren für persönliche Daten reserviert, alles schien korrekt eingetragen.
Dann kamen die Seiten für die Einzahlungen.
Elias überflog die Einträge.
Die ersten Jahre waren gefüllt mit regelmäßigen Buchungen.
“Überweisung Georg Hoffmann, €4.000”, “Überweisung Georg Hoffmann, €4.000”, Monat für Monat.
+ There are no comments
Add yours