Chapter 3: Eine unschuldige Enthüllung

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Der Tag nach Leos unschuldiger Enthüllung war von einer unerträglichen Spannung erfüllt. Elias hatte das Zimmer offensichtlich nicht betreten, denn der Koffer stand immer noch leicht geöffnet auf dem Stuhl, die Schnalle locker. Ich spürte, wie meine Nerven blank lagen, aber ich musste einen Vorwand finden.

Am späten Vormittag, während Elias mit Leo im Garten spielte und Markus angeblich geschäftlich unterwegs war, ergriff ich meine Chance. Ich wartete, bis Frau Schmidt, unsere Haushälterin, im Obergeschoss mit der Wäsche beschäftigt war. Ihr diskretes Wesen war normalerweise ein Segen, heute aber ein Hindernis.

Ich schlich mich zu Elias’ Zimmer und tat so, als würde ich nach Leos Spielzeug suchen. Es war eine billige Ausrede, die ich mir selbst kaum abkaufte. Mein Herz hämmerte gegen meine Rippen.

Der Koffer stand da, wie ein lauerndes Tier.

Ich warf einen schnellen Blick über die Schulter. Die Tür war offen, aber der Flur leer. Frau Schmidt summte leise ein Lied, ihre Geräusche kamen von weit oben.

Ich trat ein.

Die Luft im Zimmer war abgestanden und roch nach kaltem Rauch und einer seltsamen, schalen Süße. Ich versuchte, die Unordnung zu ignorieren und konzentrierte mich auf mein Ziel.

Ich kniete mich vor den Koffer. Meine Finger zitterten leicht, als ich die lose Schnalle öffnete und den Deckel vorsichtig anhob.

Es war eine Mischung aus Abfall und dem, was Elias offenbar für wichtig hielt. Alte Hemden lagen über der obersten Schicht von Papieren. Ein billiger, zerbrochener Kugelschreiber rollte über den Rand, als ich den Deckel ganz öffnete.

Unter den Hemden fand ich sie: Stapel von Briefen und Umschlägen. Keine Grundbuchauszüge oder Eigentumsurkunden, wie ich sie insgeheim erwartet hatte.

Stattdessen waren es Mahnungen. Viele Mahnungen.

Meine Augen überflogen die obersten Dokumente. “Letzte Mahnung”, “Fälligkeit dringend”, “Zahlungsfrist überschritten”.

Jede Zeile war wie ein Schlag in die Magengrube. Die Schriften waren von verschiedenen Gläubigern, von kleinen Versandhäusern bis hin zu dubios klingenden Inkassofirmen.

Eine spezifische Zahl sprang mir ins Auge. Ein roter Stempel auf einem gelben Umschlag.

Es war eine Zahlungsaufforderung vom Finanzamt. Die Summe war atemberaubend: 85.000 Euro.

Adressiert an Elias Richter.

Meine Finger verkrampften sich um das Papier. Achtzigtausendfünfhundert Euro. Das war keine kleine Summe, das war ein Vermögen.

Ich spürte eine kalte Wut in mir aufsteigen. Elias war nicht nur ein unordentlicher oder rücksichtsloser Gast. Er war hoch verschuldet.

Das erklärte seinen Einzug, die lange Verweildauer. Er hatte kein Geld, um sich ein eigenes Dach über dem Kopf zu leisten.

Ich legte die Zahlungsaufforderung vorsichtig beiseite. Ich grub tiefer.

Weitere Mahnungen, Kreditanträge, die abgelehnt worden waren, Rechnungen für Dinge, die er sich offensichtlich nicht leisten konnte. Es war ein Berg von finanziellen Problemen.

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