Ihre neue Rolle als Mutter war für einen CEO-Ehemann nur eine PR-Strategie. Sie nutzte seine eigene Wickeltasche, um ihn zu zerstören.
Wenige Tage später saß ich allein in der weitläufigen Villa, Erik war mal wieder auf Geschäftsreise. Ich versuchte, mich auf etwas anderes zu konzentrieren, ein Buch zu lesen, aber meine Gedanken kreisten nur um Eriks Verrat. Da piepte mein Handy. Es war eine E-Mail von einer mir unbekannten Adresse. Der Absender: Klaus Meier, Süddeutsche Zeitung.
Ich öffnete die E-Mail mit zitternden Fingern. Der Betreff lautete: “Anfrage zu FichteTech und Herrn Dr. Fichte”.
Klaus Meier schrieb, er sei ein investigativer Journalist und habe anonyme Hinweise auf Unregelmäßigkeiten im Zusammenhang mit dem bevorstehenden Merger von FichteTech erhalten. Er erwähnte, dass sein Name im Rahmen seiner Recherchen auch im Zusammenhang mit Eriks privatem Umfeld aufgetaucht sei, insbesondere der Name Dr. Clara Weiss.
„Sehr geehrte Frau Fichte“, begann die E-Mail, „ich führe derzeit eine unabhängige Untersuchung zu den Geschäftsaktivitäten von FichteTech und dem geplanten Merger durch. Mir liegen Informationen vor, die auf mögliche Unregelmäßigkeiten hindeuten könnten. Im Zuge meiner Nachforschungen wurde mir mehrfach der Name Dr. Clara Weiss genannt, insbesondere in Bezug auf ihre Rolle in früheren Transaktionen, die auch das private Umfeld von Herrn Dr. Fichte berühren könnten.“
Mein Herz klopfte. Clara Weiss. Eriks Ex-Verlobte. Und dann die Erwähnung von „früheren Transaktionen“ und „privatem Umfeld“. Das konnte kein Zufall sein. Der Journalist wusste mehr, als ich dachte.
„Ich verstehe, dass dies ein sensibles Thema ist“, fuhr Meier fort, „aber jede Information, die Sie mir geben können, um Licht in diese Angelegenheiten zu bringen, wäre von unschätzbarem Wert. Selbst wenn es nur ein kleines Detail ist, das mir hilft, die Puzzleteile zusammenzusetzen.“
Ich las die E-Mail immer wieder, meine Gedanken rasten. Meine erste Reaktion war Vorsicht. Was, wenn das eine Falle war? Wenn Erik davon Wind bekam? Aber dann dachte ich an Sophies Worte: Eriks Muster. Er zerstörte den Ruf seiner Gegner. Und hier war jemand, der seine beruflichen Machenschaften untersuchte.
„Clara Weiss“, murmelte ich vor mich hin. Ihre Fotos füllten Eriks Tagebuch. Und Meier erwähnte sie im Kontext von FichteTech-Transaktionen. Das musste doch zusammenhängen.
Klaus Meier war ein unabhängiger Journalist. Er hatte seine eigene Agenda, seine eigenen Quellen. Er suchte nach der Wahrheit, und diese Wahrheit schien Eriks Machenschaften zu betreffen, sowohl beruflich als auch privat. Das war eine Chance. Eine unerwartete Waffe, die ich nutzen konnte, ohne mich direkt Erik gegenüber exponieren zu müssen.
Ich antwortete ihm nicht direkt. Das wäre zu gefährlich. Erik hatte mich bereits unterschätzt. Ich würde ihm nicht den Gefallen tun, meine Karten offen auf den Tisch zu legen. Stattdessen begann ich, einen Plan zu schmieden.
Ich würde Meier Informationen zukommen lassen. Anonym. Informationen, die Eriks Betrug von einer anderen Seite beleuchten würden. Nicht meine persönliche Geschichte, nicht das Tagebuch mit den Details meiner Ehe, sondern Fakten über seine finanziellen Machenschaften und die undurchsichtige Rolle von Notar Schmidt. Das würde seine berufliche Integrität untergraben, genau das, was Erik so akribisch aufgebaut hatte.
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