Ihre neue Rolle als Mutter war für einen CEO-Ehemann nur eine PR-Strategie. Sie nutzte seine eigene Wickeltasche, um ihn zu zerstören.
Die Tage danach waren eine Mischung aus fieberhafter Vorbereitung und unerträglicher Anspannung. Jule und ich arbeiteten wie im Fieberwahn. Wir druckten die relevantesten Auszüge aus Eriks Tagebuch – die Notizen über den Merger, die geplante Scheidung, die Erwähnung von Clara und die „Beratungsgebühr“ für Notar Schmidt. Dann sammelten wir die Informationen über die „Clara & Erik Foundation“ in Liechtenstein. Alles sachlich, alles ohne persönliche Kommentare.
Jule erstellte Umschläge, die nicht auf uns zurückzuführen waren, und adressierte sie. Die Empfänger waren sorgfältig ausgewählt: Einige prominente Mitglieder der Potsdamer High Society, die für Eriks Image und seine Geschäftsbeziehungen von entscheidender Bedeutung waren, sowie drei einflussreiche Vorstandsmitglieder von FichteTech, die für den Merger zuständig waren.
„Wir müssen das zeitlich perfekt abstimmen“, sagte Jule. „Kurz vor der Charity-Gala, die Erik als seinen großen Triumph inszenieren will.“
Ich nickte. Die Gala war in zwei Tagen. Es musste jetzt geschehen.
Jeder Umschlag enthielt eine kryptische Nachricht, handgeschrieben, damit sie nicht nachvollziehbar war: „Achten Sie auf eine bevorstehende Familienkatastrophe, die das Fundament von FichteTech erschüttern wird. Die ‚Clara & Erik Foundation‘ spricht Bände.“
Wir schickten die Umschläge von verschiedenen Postämtern in Berlin aus, um keine Spuren zu hinterlassen. Danach fühlte ich mich erschöpft, aber auch seltsam erleichtert. Die Würfel waren gefallen.
Die ersten Anzeichen, dass mein Plan wirkte, zeigten sich schnell. Erik, der am Morgen zurückgekehrt war, wirkte unruhig. Er telefonierte ständig, seine Stimme war angespannt. Ich hörte Fetzen von Gesprächen über „Gerüchte“ und „ungewöhnliche Rückfragen“ von Investoren.
Am Abend erhielt Erik einen dringenden Anruf. Ich hörte, wie er in sein Büro eilte und die Tür zuschlug. Wenige Minuten später drang seine panische Stimme durch die Türritze.
„Ein Notfalltreffen des Aufsichtsrats?“, rief er ins Telefon. „Aber der Merger ist doch so gut wie durch!“
Ich spürte, wie mein Herz einen Sprung machte. Die diskreten Hinweise, die Enthüllung der Stiftung, die Eriks Betrug mit Clara und die finanziellen Machenschaften belegte, hatten sofortige Wirkung gezeigt. Vertrauensverlust. Bei den Großinvestoren, bei den Vorstandsmitgliedern. Erik hatte sein Image als makelloser Familienmensch und seriöser Geschäftsmann bis ins kleinste Detail inszeniert. Nun zerbrach dieses Image unter dem Gewicht der Wahrheit.
Später hörte ich, wie er sich mit seinem Anwalt unterhielt. Die Worte „sofortige Entlassung“ und „massiver Reputationsschaden“ fielen immer wieder. Der Merger, der von Eriks „sauberem“ Image abhing, geriet ins Wanken. Seine ganze Existenz hing davon ab.
Erik stürmte aus seinem Büro, sein Gesicht war bleich und verzerrt. Er sah mich nicht einmal an, als er durch das Wohnzimmer eilte. Er musste das „Babymoon“ nach Sylt absagen.
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