Chapter 5: Anonymer Tipp und neue Beweise

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Oberstleutnantin Anneliese Richter kämpft in den 50ern gegen reiche Familie, um ihre verletzte Tochter und Familiengeheimnisse zu enthüllen.

Chapter 1: Das rosa Band und der kalte Empfang

Chapter 2: Die Wahrheit im Schweigen

Chapter 3: Die Wahrheit der Haushälterin

Chapter 4: Rechtlicher Druck und wachsendes Misstrauen

Chapter 5: Anonymer Tipp und neue Beweise

Chapter 6: Die Wahrheit der Familie

Chapter 7: Der Höhepunkt der Enthüllungen

Chapter 8: Die Folgen der Enthüllungen

Chapter 9: Eine Generation später

Die Tage nach dem Treffen mit dem Notar waren angefüllt mit einer brodelnden Anspannung. Ich wusste, dass die Ehrenbergs nicht lange auf sich warten lassen würden, um ihren nächsten Zug zu machen. Ich hatte ihre Pläne durchkreuzt, zumindest vorerst. Doch ich hatte auch ihre Entschlossenheit verstärkt. Meine eigene Entschlossenheit wuchs mit jedem Atemzug.

An einem regnerischen Donnerstagnachmittag, als ich gerade meine Uniform für den nächsten Tag vorbereitete, klingelte es an meiner Tür. Ich erwartete niemanden. Meine Hand fuhr automatisch zu dem kleinen Revolver in meiner Schreibtischschublade. Vorsicht war meine neue Natur.

Ich öffnete die Tür einen Spaltbreit. Niemand war zu sehen. Doch auf meiner Fußmatte lag ein braunes Päckchen, unscheinbar und mit einfachem Packpapier umwickelt. Es war kein Absender vermerkt.

Mein Herz pochte. Wer schickte mir ein anonymes Paket?

Ich hob es auf, spürte das Gewicht. Es war nicht sehr schwer. Ich brachte es in meine Wohnung, verschloss die Tür und legte es auf meinen Küchentisch. Meine Finger lösten vorsichtig das Klebeband.

Darin fand ich zwei Dinge.

Einmal, alte, vergilbte Firmenbücher der Ehrenberg-Werke. Ihre Einbände waren abgenutzt, die Seiten rochen nach altem Papier und Keller. Ich schätzte sie auf die späten 1940er, frühe 1950er Jahre.

Und dann ein kleines, ledergebundenes Tagebuch. Es war schlicht, aber elegant. Ich erkannte es sofort. Es war Viktors Handschrift. Sein Name war auf der Innenseite in kleinen, ordentlichen Lettern eingetragen.

Ich setzte mich mit zitternden Händen an den Tisch. Der Regen prasselte gegen das Fenster. Die Stille der Wohnung war fast ohrenbetäubend.

Ich öffnete zuerst die Firmenbücher. Sie waren alte Hauptbücher und Kassenbücher, penibel geführt, wie es sich für ein deutsches Traditionsunternehmen gehörte. Ich blätterte durch die Seiten, meine Augen suchten nach Auffälligkeiten. Die Zahlen waren klein gedruckt, die Einträge in alter deutscher Schreibschrift.

Es dauerte nicht lange, bis ich die ersten Ungereimtheiten entdeckte. Große Beträge, die unter der Rubrik „Wiederaufbauprojekte“ verbucht wurden. Riesige Summen, die an Subunternehmen gezahlt wurden, deren Namen mir unbekannt waren. Und die Namen dieser Firmen wiederholten sich. Immer wieder.

Ich griff nach einem Bleistift und einem Notizblock. Ich begann, die fragwürdigen Einträge zu notieren. Die Zahlungen schienen real, aber die Beschreibungen der Dienstleistungen waren vage. Und die Summen schienen überhöht. Oftmals deutlich über dem Marktwert für solche Projekte. Es wirkte, als würden Gelder über diese Kanäle geschleust.

Eine Zahlung von 50.000 DM an „Bauunternehmen Fischer & Söhne“ für „Materiallieferung Wiederaufbauprojekt X“. Eine Woche später eine weitere Zahlung von 75.000 DM an dieselbe Firma für „Dienstleistungen Wiederaufbauprojekt X“. Es gab keine detaillierten Rechnungen, keine spezifischen Auflistungen. Nur diese vagen Bezeichnungen.

Es war ein System. Ein klares Muster von Geldern, die aus dem offiziellen Kreislauf der Ehrenberg-Werke abgezweigt wurden, vermutlich Wiederaufbaugelder, die nach dem Krieg großzügig vergeben wurden, um die deutsche Wirtschaft wieder anzukurbeln.

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