Oberstleutnantin Anneliese Richter kämpft in den 50ern gegen reiche Familie, um ihre verletzte Tochter und Familiengeheimnisse zu enthüllen.
Der Artikel in der „Süddeutschen Zeitung“ schlug ein wie eine Bombe. Die Reaktion war unmittelbar und verheerend. Am Morgen nach der Veröffentlichung stand das Telefon in meiner Wohnung nicht mehr still. Presseanfragen, Anrufe von Kollegen, von unbekannten Nummern. Ich schaltete es schließlich ab. Ich musste klar denken.
Die Nachrichten überschlugen sich. Im Radio, in den Abendzeitungen, überall war vom „Ehrenberg-Skandal“ die Rede. Die Macht der Presse war unermesslich.
Die ersten Folgen trafen die Ehrenberg-Werke wie ein Blitzschlag. Ich las es in den Zeitungen, hörte es im Radio.
„Investoren ziehen Gelder ab!“
„Banken fordern Kredite zurück!“
„Kurs der Ehrenberg-Aktie stürzt ab!“
Die Öffentlichkeit war empört. Die Vorstellung, dass eine so angesehene Familie sich an den mühsam erkämpften Wiederaufbaugeldern bereichert hatte, war ein Schlag ins Gesicht der Nachkriegsgesellschaft. Demonstranten versammelten sich vor dem Ehrenberg-Hauptgebäude, schwenkten Plakate mit Viktors Gesicht und der Aufschrift „Gerechtigkeit für Viktor!“.
Die staatlichen Ermittlungen wurden sofort eingeleitet. Die Kriminalpolizei, die Staatsanwaltschaft. Alle Augen waren auf die Ehrenbergs gerichtet. Nicht nur wegen Betrugs und Veruntreuung, sondern auch wegen Vormundschaftsmissbrauchs und – was am schwersten wog – wegen der Ermittlungen zu Viktors Tod.
Freifrau Helga und Dr. Maximilian von Ehrenberg wurden von der Gesellschaft geächtet. Ihre Namen, einst Synonym für Reichtum und Ansehen, waren nun mit Schande verbunden. Die Fotos in den Zeitungen zeigten sie mit versteinerten Gesichtern, umringt von Reportern und Kameraleuten. Ihr gesellschaftlicher Ruf war zerstört, ihr Geschäftsimperium zerfiel. Mitarbeiter verließen die Ehrenberg-Werke in Scharen, aus Angst vor den Konsequenzen und aus Abscheu.
Notar Schmidt wurde ebenfalls in den Strudel gezogen. Seine Kanzlei wurde durchsucht, seine Lizenzen wurden geprüft. Die Zeitung berichtete detailliert über seine Rolle bei der Legalisierung der Scheinfirmen und den Versuch, die Vormundschaft zu manipulieren. Er musste sich beruflichen Konsequenzen und rechtlichen Schritten stellen.
Doch inmitten dieses Triumphes der Gerechtigkeit kam der Preis.
Wenige Tage später erhielt ich eine förmliche Vorladung in das Büro meines kommandierenden Offiziers. General Braun, ein alter, kühler Mann, dessen Gesicht so ernst war wie der Anlass. Ich wusste, was kommen würde.
Ich stand stramm vor seinem Schreibtisch. Sein Blick war undurchdringlich.
„Oberstleutnantin Richter“, begann er, seine Stimme war tief und ohne jegliche Emotion. „Ihr Verhalten und die Umstände des Skandals um Ihre Familie haben Ihre Position in der Bundeswehr unhaltbar gemacht.“
Ich schwieg. Ich hatte es erwartet. Meine Aktion war ein Alleingang gewesen, ich hatte mich über die Befehlskette hinweggesetzt und einen Skandal verursacht, der Kreise bis in die höchsten Militärränge gezogen hatte. Das konnte eine militärische Karriere nicht überleben.
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